Luftfahrt-Journalismus aktuell - zumeist ein Trauerspiel

#1
Offenbar können sich auch große Verlage keine eigenen Luftfahrt-Journalisten mehr leisten. Zumindest entsteht der Eindruck, dass jeder der Flugzeug mit weniger als 3 Fehlern schreiben kann, über Luftfahrt-Themen berichten darf.

Hier können ab sofort die Glanzleistungen der Presse im Bezug auf die Fliegerei abgelegt sowie kommentiert werden.

Eventuell nimmt sich ja der eine oder andere 'Schreiberling' mal die Zeit, die (hoffentlich sachliche) Kritik zu allgemeiner oder besonderer Berichterstattung aufzunehmen. Sollten sich (analog zu PPRUNE) auch hier Journalisten als solche ausgeben und nach sachbezogenen Informationen fragen, wird es sicherlich vieles 'mitzunehmen' geben.

Gruß MAX
 
#2
Defekte Flügelklappen sollen zu Spanair-Absturz geführt haben

Erste Untersuchungsergebnisse nach dem verheerenden Unglück am Flughafen von Madrid: Einem Zeitungsbericht zufolge haben defekte Start- und Landeklappen die Katastrophe ausgelöst, bei der 154 Menschen starben. Auch ein Fehlverhalten der Piloten wird nicht ausgeschlossen.

Gesamter Artikel bei SPIEGEL Online


"Beim Start der Maschine vom Typ MD-82 sollen demnach die Klappen an den Flügeln, mit denen ein Flugzeug beim Starten und Landen gebremst oder beschleunigt wird, ausgefallen sein. Durch diesen Ausfall habe das Flugzeug nicht schnell genug an Geschwindigkeit gewonnen."

Welchen Klappen beschleunigen denn Flugzeuge...??? :confused:

Entweder sind es Spoiler/Speedbrakes die ein Flugzeug bremsen oder es sind Flaps/Slats die den Auftrieb erhöhen und ein Flugzeug bei niedrigerer Geschwindigkeit in der Luft halten. Für die Beschleunigung sind nach wie vor die Triebwerke verantwortlich... :dead:

Tja... so ist sie halt unsere Presse. :blah:
 
#3
"Beim Start der Maschine vom Typ MD-82 sollen demnach die Klappen an den Flügeln, mit denen ein Flugzeug beim Starten und Landen gebremst oder beschleunigt wird, ausgefallen sein. Durch diesen Ausfall habe das Flugzeug nicht schnell genug an Geschwindigkeit gewonnen."
Ha, ha, ha :eyeb::dead:
Vielleicht können wir ein Thread eröffnen, wo wir die beste Zitate aus der Presse stellen. Vielleicht hilft als Rückkopplung auch. Irgendwie unglaublich, was sie teilweise da schreiben!
Gruß,
Cirrus
 
#4
Defekte Flügelklappen sollen zu Spanair-Absturz geführt haben

Erste Untersuchungsergebnisse nach dem verheerenden Unglück am Flughafen von Madrid: Einem Zeitungsbericht zufolge haben defekte Start- und Landeklappen die Katastrophe ausgelöst, bei der 154 Menschen starben. Auch ein Fehlverhalten der Piloten wird nicht ausgeschlossen.

Gesamter Artikel bei SPIEGEL Online


"Beim Start der Maschine vom Typ MD-82 sollen demnach die Klappen an den Flügeln, mit denen ein Flugzeug beim Starten und Landen gebremst oder beschleunigt wird, ausgefallen sein. Durch diesen Ausfall habe das Flugzeug nicht schnell genug an Geschwindigkeit gewonnen."

Welchen Klappen beschleunigen denn Flugzeuge...??? :confused:
Bei meiner alten Kiste gibt's noch (3 Doppel-)Vergaser mit Drosselklappen - oder der Schmierfink die meint....?:yawn:
 
#7
Richtig bewusst wird einem dieses Problem, wenn man mal einen Blick über den Tellerrand wirft.

Welch jounalistischer Abfall bezüglich Luftfahrtthemen produziert wird, fällt uns auf, weil wir mehr Ahnung von der Materie haben als der Durchschnittsbürger. Einfach weil Luftfahrt unser Hobby oder sogar Beruf ist.

Jetzt muss man aber bedenken, dass Fliegerei-Themen nur einen verschwindend kleinen Anteil an der Gesamtberichterstattung der Presse haben. Wenn ich behaupte dass im Jahresmittel 98% aller Zeitungsartikel nichts mit Luftfahrt zu tun haben, dann ist das keine allzu schlechte Schätzung.

Was ist aber mit diesen 98%?
Dieser Löwenanteil beschäftigt sich mit Themen von denen WIR keine Ahnung haben.
Nur leider werden wir nur seltenst merken, dass dort mit Sicherheit genauso chaotisch und inkompetent berichtet wird, wir über die Fliegerei.

Zu jedem Artikel des "(Investigativem) Journalismus" findet sich garantiert eine Gruppe, die über diesen die Hände über dem Kopf zusammenschlägt und laut ruft "Wie kann man SOWAS nur abdrucken? Wo haben die DAS denn her?!"
Im Falle der Luftfahrt sind diese Gruppe eben beispielsweise wir. Aber was ist mit anderen Themen? Atommüllendlager? Luftverschmutzung? Transrapid? "Kampf"hundehaltung? Verkauf der Dresdner Bank? Abitur nach 12 Schuljahren?
Tja, zu solchen Themen haben eben auch wir nur eine -ich sage mal- Stammtischmeinung, während andere, die Ahnung von der Materie haben, sich die Haare raufen und sich fragen welcher Spiegel-Reporter denn diesen verrückten Kram wieder verbrochen hat.

Das heißt für mich nur, dass man alles was man liest mit allerhöchster Vorsicht genießen sollte und am Besten nichts glaubt. Das ist irgendwie traurig.
 
#8
Sollte es deshalb nicht den ein oder anderen unabhängigen Experten geben, der dann sein Fachwissen zu einem Thema abgibt, um seriös die Dinge zu klären? Oder gibts die schon und werden nicht gefragt? Wenns um Politik oder Klimawandel geht treten doch auch immer solche Experten (meist Prof. von Unis) auf. (Ob die immer Recht haben weiß ich auch nicht, aber sie scheinen sich damit tagtäglich zu befassen.)
 
#9
Etwas OT: meine meinung zu der deutschen presse

als ich war letzte jahr in den USA war laß ich auf einer deutschen nachrichten- website über einen vorfall im irak wo zwei US kampfflugzeuge aus versehen einen englischen panzerverband angriffen und mehrere soldatenn töteten.
wortwörtlich war zu lesen das "diese schießwütigen cowboys" immer wieder auf alles schießen was sich bewegt. die englische regierung reagiert empört auf den zwischenfall und werfe den beiden piloten mord vor und vordere eine anklage gegen die beiden.

am selben tag habe ich auf CNN einen bericht über den selben vorfall gesehen. dort zeigte man eine pressekonferenz mit einem englischen general. es wurden video und funkaufnahmen gezeigt wo sich der führer der beiden piloten nach dem ersten angriffsbefehl durch die luftaufklärung mit seinem flügelmann unterhielt, da sich beide bewusst waren das auch eigene truppen in dieser gegend unterwegs waren. mit der frage ob es sich tatsächlich um feindliche verbände handeln würde ließ er sich den angriffsbefehl ein zweites mal bestätigen. kurz nach dem angriff war der funkverkehr zu hören als den beiden mitgeteilt wurde das sie freundliche truppen beschossen hatte. man konnte sehr deutlich hören wie einer der piloten in tränen ausbrach und immer wieder fragte wie das passieren konnte, er habe doch zweifel geäußert und nochmals nachgefragt.
aufgrund dieser funkmitschnitte sprach der englische general bei der pressekonferenz auf fragen hin auch die beiden piloten frei von jeder schuld für die verantwortung des zwischenfalls.

also, laut den deutschen medien eröffneten die "schießwütigen cowboys" eigenmächtig das feuer auf die truppen, der englische general forderte eine anklage wegen mordes und die beziehungen zwischen england und den USA waren aufgrund des zwischenfalls sehr angespannt

das was ich auf CNN gesehen habe zeigte ein ganz anderes bild...

nur ein beispiel von viel.... :dead:

also ich persönlich glaube gar nichts mehr das in unsren medien gezeigt oder geschrieben wird. sollte mich etwas intressieren ich suche mir immer eine zweite quelle zu dem selben thema, wenn möglich eine ausländische. das was bei uns als berichterstattung gilt ist in meinen augen, und damit meine ich nicht nur die blöd, unseriös :thbdwn:.

just my 2 cent

gruß
Alex
 
#10
treten doch auch immer solche Experten (meist Prof. von Unis) auf. (Ob die immer Recht haben weiß ich auch nicht, aber sie scheinen sich damit tagtäglich zu befassen.)
Zu Profs von Unis:
Ich kenne einen Prof sehr gut und auch die Situation an einer Uni sehr gut und weiß unter anderem von dem, dass die sehr zögerlich als "Experte" in den Medien stehen wollen weil man häufig das komplette Interview so zusammenschneidet, dass ein völlig anderes Bild rauskommt. Daher sagen viele lieber gleich ganz ab...

Weil die Presse so unseriös ist bekommen sie die wirklich seriösen Experten nur selten. Es ist nun mal schwierig einen komplizierten Sachverhalt so zu erklären, dass die Laien einigermaßen mitkommen.

Da geht eher die Kritik an die öffentlich rechtlichen Medien. Die sollten versuchen die Thematik möglichst sachlich und aufklärend erklären. Aber stattdessen gibt es wieder einen "Brennpunkt" in ARD der qualitativ auch nicht sonderlich weit von RTL & Co ist...
 

Machrihanish

Global Moderator
Mitarbeiter
#12
...weil man häufig das komplette Interview so zusammenschneidet, dass ein völlig anderes Bild rauskommt.
Das Journalismusproblem zerfällt in ein Autorenproblem und ein Redakteursproblem.
Erstere können sich oft nicht knapp und präzise ausdrücken und beanspruchen
materielle Komplexität für Umständlichkeit, letztere kürzen aus unterschiedlichsten
Gründen unter Zeitdruck Artikel ein - ohne Rücksprache. Im Journalismus gibt es kein
Crew Resource Management.
 
#13
Ich glaube, bei Themen wie Luftfahrt ist das Problem am größten, weil wahrscheinlich ein (Fachfremde) Redakteur "nebenbei" dieses Feld abdeckt.
Als Biologe und Geoökologe sehe ich auch immer wieder wie die Nachrichten publikumswirksam "verbessert" werden, wo teilweise auch einfach die Redakteure das Thema nicht verstehen. Beispiele, die "schwarze Eva", angeblich sind wir alle nachkommen einer einzigen Frau, dabei bezieht sich das auf einer kleine Gruppe von vielleicht ca. 50 Frauen... Oder "das Gen der Woche", mal für dies, mal für das andere (und da heisst aber nur "vermutlich" und zu x%...) oder die "neue Art der Woche" und das sind "nur" bekannte Arten die jetzt besser getrennt werden mit den neuen Verfahren. Und mal ist Schokolade gut für Karies, mal für das Herz... und dann wieder nicht... weil eine einzige Studie selten ein absolutes Beweis ist. Bei dem Thema Klimaänderung wird manchmal auch jede kleine Studie als letzte Wahrheit verkauft und von manchen auch lieber etwas dramatisiert.
Bei anderen Bereiche sind Verzerrungen sicher nicht ganz zufällig, als aktuellste Beispiel die Krisse in Georgien. Da hilft nur verschiedene Medien zu vergleichen, es ist ja auch nicht falsch, immer die 2 (oder mehr) Seiten zuzuhören.
Ob die deutsche Medien schlechter als andere sind, glaube ich eher nicht, ich lese Nachrichten auf Deutsch, Englisch und Spanisch (nicht nur seit der Existenz von GoogleNews...) und finde die gute deutsche Medien doch sehr gut. Gerade die gute Zeitungen haben gute Reportagen. Vom Fernsehen kann ich nichts sagen, da ich kein Fernseher habe, was mir die GEZ aber nicht so ganz glaubt ;) .
Leider viele andere Medien leben vom Sensationalismus und berichten, mit Glück, nur oberflächlich.
Man soll nicht alles glauben, lieber kritischer sein und sich möglichst zurückhalten, gleich eine Sensationsmeldung anzucklicken, vielleicht hilft das.
Gruß,
Cirrus
 

Machrihanish

Global Moderator
Mitarbeiter
#14
Kritisches Bewußtsein wird sich umso schwieriger herausbilden können, je mehr Ethos
der Journalismus verliert. Das wenige verbleibende Sinnvolle, Orientierte wird von
einer Flut von Unfug hinfortgespült. Ich sehe ein Quantitäts-, oder Verhältnisproblem.
 
#15
[...] da ich kein Fernseher habe, was mir die GEZ aber nicht so ganz glaubt ;) .
Das kenne ich, wobei ich keinen Fernseher mehr habe, das glauben die erst recht nicht.

Schon alleine der daraus resultierende Schriftwechsel ist um ein Vielfaches erheiternder als jede RTL-Comedy-Sendung, ebenso der Gesichtsausdruck unserer jungen KollegInnen, wenn diese einem (auch gerne als garnicht am Gespräch Beteiligtem) eine Meinung zu wichtigen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte (z.B. dem Dingsbums von DSDS o.ä.) abnötigen wird und man ganz unschuldig antwortet: 'Ööööh, weiß nich, hab keinen Fernseher...';D

Gruß MAX
 
#18
ein erschreckendes Beispiel von unglaublich fahrlässigem Journalismus zeigte sich heute in den USA! Dort meldete die Chicago Tribune, United Airlines wäre erneut pleite und würde Chapter 11 beantragen.
Nichts von alldem ist aber wahr und ein paar Zeitungs-Volltrottel sind wohl einer uralten Meldung aufgesessen...:rolleyes:
Die UA Aktie brach vollständig auf 0,01 Cent ein und wurde vom Handel ausgesetzt. Nachdem UA umgehend dementierte, erholte sich der Kurs wieder.
Ein psychologischer Knacks mit Vertrauensverlust bleibt allemal. In der Haut der Zeitungsschmierfinken möchte ich nicht stecken...
 
#20
ein erschreckendes Beispiel von unglaublich fahrlässigem Journalismus zeigte sich heute in den USA! Dort meldete die Chicago Tribune, United Airlines wäre erneut pleite und würde Chapter 11 beantragen.
Nichts von alldem ist aber wahr und ein paar Zeitungs-Volltrottel sind wohl einer uralten Meldung aufgesessen...:rolleyes:
Die UA Aktie brach vollständig auf 0,01 Cent ein und wurde vom Handel ausgesetzt. Nachdem UA umgehend dementierte, erholte sich der Kurs wieder.
Ein psychologischer Knacks mit Vertrauensverlust bleibt allemal. In der Haut der Zeitungsschmierfinken möchte ich nicht stecken...
Ha, die haben doch nur Deutschland kopiert und versucht, ob das auch in den U.S. of A. geht....

Dresdner Bank Kleinwort <-> Air Berlin
 
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