langsamere Reisefluggeschwindigkeit

Ron

Mitglied
Hallo,
bei meinem letzten Flug von HGK nach MUC (A346) sagte der Kapitän das die heutige Flugdauer mit 12h
berechnet wurde und dass wir noch ca. 15-20min warten müssten in HGK (es war 23:40 HGK Zeit)
weil wir sonst vor 5 Uhr in München landen würden was ja nicht geht.

Warum fliegt man da nicht einfach ein wenig langsamer, würde das nicht auch Sprit sparen ?
für 15 min bräuchte man ja nur ein klein wenig langsamer fliegen oder ist das dann
wieder unwirtschaftlicher ?

Wir sind dann auch 2 min nach 5 Uhr in München gelandet, 20min vor der geplanten Zeit.

Ronny
 
Hallo Ron,

es sprechen im wesentlichen 2 Gründe dagegen, eine deutliche 'Verfrühung' alleine durch Trödeln während des Fluges abzubauen:

Ein Großteil der Wartungskosten sind Zeit- also Flugstundenbasiert. Durch das langsamer Fliegen würde zwar etwas Sprit gespart, dafür aber auch entsprechend mehr 'Airtime' produziert, so dass der Flieger überspitzt formuliert früher gewartet werde muss. Ausserdem kann es sein, dass durch langsameres Fliegen die Crewkosten steigen (mehr Flugstunden), je nach den Modalitäten der betreffenden Airline. Die Wartezeit am Boden vor dem Verlassen des Gates ist bei Flugstundenbasierter Bezahlung nicht bezahlungswirksam.

Ein zweiter handfester Grund ist, dass in vielen Teilen der Welt Engpäße im Luftraum bestehen, besonders wo es noch kein RVSM gibt (also nur halb so viele Höhen über FL290) oder wo richtig viel Verkehr ist (z.B. NAT-Tracks). Dort muss dann also der Verkehrsfluss optimiert werden und das geht u.a. dadurch dass von ATC einheitliche Geschwindigkeiten vorgegeben werden (sprich ein A340 muss Gas geben, der Jumbo fliegt etwas langsamer als geplant).

Da aber meist alle in den optimalen Höhen fliegen wollen, kann es sein dass man eine Freigabe für die gewünschte Höhe nicht bekommt, selbst wenn man die Geschwindigkeitsvorgabe einhalten kann. Will man hingegen signifikant langsamer fliegen, muss man sicherlich unter dem schnellen Verkehr bleiben und verbraucht so trotz reduzierter Geschwindigkeit am Ende mehr, als mit normaler Geschwindigkeit im optimum Level.

Und nachdem die 5-Uhr-Beschränkung in MUC 'Beton' ist, muss man im Falle einer zu frühen Ankunft entweder Holding fliegen oder Bayern bei N8 anschauen, beides kostet auch zusätzlich Sprit.

Insofern ist es idR. schon sinnvoll, den Großteil der Zeit am Boden abzuwarten.

Gruß MAX
 
Danke für die ausfürlichen Infos,
ein paar Dinge dachte ich mir schon, aber auf die 'Airtime' und die 'Crewkosten' wär ich nie gekommen.

Gruss
Ronny
 
Darf ich eine Anschlussfrage stellen: Wie kann man es so genau ausrechnen, in diesem Falle mit mehr als noch 12 Stunden verbleibender Flugzeit, wann man genau Landen wird? Es gibt doch sicherlich noch unbekannte Zeitverzögerungen oder - Einsparungen auf dem Weg bis zum Zielflughafen (Wetter, Traffic im Luftraum oder am Zielflughafen). Bitte meine Frage nicht als zu naiv auffassen, aber wie rechnet man bei mehr als 10 verbleibenden Stunden das so genau aus? Bei innerdeutschen Flügen z.Bsp. gibt das Cockpit noch eine verbleibende Flugzeit an, ich habe schon oft erlebt, daß die vorausgesagte Zeit bis zur Landung letztendlich nicht stimmte - das auf Kurzstrecke - wie funktioniert denn das dann auf Langstrecke?
 
In der Tat sind die Flugdurchführungspläne (OFP) relativ genau und das ist auch gut so, denn da die Firma ja möchte, dass man immer weniger Extra-Fuel (= für unvorhergesehene Verzögerungen) mitnimmt wäre es ja doof, wenn dann von 100 Flügen 5 wegen zu optimistisch gerechneter Pläne unterwegs nochmal tanken müssten.

Die wesentlichen Variablen sind:

Höhenwind: Unglaublich genaue Vorhersagen, teilweise durch automatische Reports von Flieger unterstützt. Moderne FMS können sogar die Winde als Profil (also nicht nur in der geplanten Höhe, sondern auch darüber/darunter) speichern, so dass man einen geplanten/nötigen Levelchange dahingehend optimieren kann.

Eigene Geschwindigkeit: Kann im kleinen Rahmen (s.o.) beeinflusst werden und wird dann exakt geflogen

Streckenführung: Ist auch vorher exakt bekannt. Ein großräumiges Re-routing wegen plötzlich aktiver Sperrgebiete etc. ist ungewöhnlich, eher Umlfiegen von Gewittern etc. Unter dem Strich wird die Strecke eher leicht kürzer, da es immer mal wieder kleine oder größere Abkürzungen gibt. Wenn man aber ohnehin schon zu früh dran ist, weil der Flughafen noch zu ist, kann man ggf. auch mal 'Nein, Danke!' sagen.

Im Anflug wird es dann schon wieder ungenauer was die berechnete Route betrifft. Denn einerseits muss natürlich die berechnete Landerichtung stimmen und andererseits weiss natürlich kein Mensch, ob ein Flieger straight-in geht, eine ganze oder halbe Transition abfliegen muss.

Letzteres Problem wird durch Einrechnung der durchschnittlich geflogenen Strecke (etwa die Hälfte) eine Transition 'gelöst'.

Unter der Annahme aller genannten Variablen stellt das FMS die jeweilige Ankuftszeit laufend minutengenau dar. Während man am Anfang eher ein Estimate von 0450-0455 anstreben würde, um noch etwa 'Luft' zu haben für leichte Unwägbarkeiten, kann man je näher man dem Ziel kommt dann natürlich auch genauer Planen. Die Landerichtung ist inzwischen bekannt, die Transition kann man um die Zeit rausnehmen usw.

Sollte man allen Massnahmen zum Trotz dann doch absehen können, noch ein paar Minuten zu früh dran zu sein, kann man nach Verlassen der stark beflogenen Airway jederzeit in Absprach mit ATC auch mal ordentlich reduzieren und fliegt dann z.B. den ganzen Sinkflug mit 220 Kt IAS anstelle 340, das 'spart' auch einige Minuten.

Innderdeutsch bzw. auf kürzeren Flügen haben wir das Problem, dass unsere OFPs nur von einem Automaten gemacht werden, der stellenweise schon lustige Sachen plant (Landerichtung, Arrival Route, etc.).

Wer hier nur unreflektiert die Flugzeit weitergibt, der bekommt dann bald mal 'Haue' von den Damen, wenn ihnen schon wieder 10 Minuten von der angekündigten Flugzeit flöten gegangen sind, denn gerade auf kurzen Flügen wird teils jede Minute für den Service gebraucht.

Ich kann das nicht verstehen. Einerseits WEISS man eigentlich wie lange ein Flug dauert (TXL 45, HAM 55-60, CGN 40-45 usw) und wenn dann auf dem Plan 10-15 Minuten mehr stehen, dann kann das halt nicht sein. Von mir gibts dann jedenfalls ein Update, wenn die wirklich erwartete Strecke im FMS ist.

Gruß MAX
 
DANKE Max, neben der bereits bestehenden "DANKE" Funktion, schlage ich vor einen FLEUROP Button hinzuzufügen.
 
Optimal erklärt, Max.
In diesem Zusammenhang habe ich noch zwei interessante Sachen hinzuzufügen.
Kürzlich habe ich eine A380 Piloten gefragt wie groß seine Mach-No sei, da die angezeigte ground speed doch recht hoch war.
Seine Antwort war er müsse .84 fliegen denn wenn er langsamer fliegen würde wäre er unwirtschaftlicher unterwegs. Die Mühle scheint echt genau für den Geschwindigkeitsbereich optimiert zu sein dass schneller gleich sparsamer bedeutet. Zum Vergleich, 747, MD-11 und Konsorten fliegen normalerweise .82-.83

Und zu Max´Aussage "Und nachdem die 5-Uhr-Beschränkung in MUC 'Beton' ist, muss man im Falle einer zu frühen Ankunft entweder Holding fliegen oder Bayern bei N8 anschauen, beides kostet auch zusätzlich Sprit." ist es vielleicht ganz interessant zu erfahren dass sich jeden Morgen zwischen fünf und sechs local die Zürich-inbounds anfangen im Holding zu stapeln um dann pünktlich ab sechs landen zu dürfen. Alles wie in beschriebenem Fall Langstrecke, die verschiedensten Airlines. Ich habe keine Ahnung wieso da der Flugplan nicht angepasst wird, das kann doch keinen Sinn machen.
 
Und zu Max´Aussage "Und nachdem die 5-Uhr-Beschränkung in MUC 'Beton' ist, muss man im Falle einer zu frühen Ankunft entweder Holding fliegen oder Bayern bei N8 anschauen, beides kostet auch zusätzlich Sprit." ist es vielleicht ganz interessant zu erfahren dass sich jeden Morgen zwischen fünf und sechs local die Zürich-inbounds anfangen im Holding zu stapeln um dann pünktlich ab sechs landen zu dürfen. Alles wie in beschriebenem Fall Langstrecke, die verschiedensten Airlines. Ich habe keine Ahnung wieso da der Flugplan nicht angepasst wird, das kann doch keinen Sinn machen.

wäre interessant was dies alles kostet soo lange spazieren fliegen zu müssen!
 
Sorry, ich meinte Mach.86 Krasses Teil.
Ist aber offenbar nicht 'immer' so; vor kurzem hatte ich den Emir nach London mit seinem 380 mit .83 und 15 NM dahinter eine 747-400 mit .845 (BAW), der hatte schon den Blinker links und den Finger an der Lichthupe... :p
 
Kann ich nicht bestätigen, .86 ist da eher die Ausnahme. Zumindest bei den 747s im Umkreis von 300 km um MUC in den letzten 15 Jahren... :think:
Zumindest in 'echten' Upper-Höhen (= im Reiseflug).

Zum A380: haben die Tage mal wieder einen (UAE) gefragt: .86 in FL380

Aber ich glaub' das ist eh OT.
 
Zuletzt bearbeitet:
Die Boeing Homepage... naja, der Hersteller meines Autos behauptet ja auch, daß meins unter 10 Liter auf 100 km braucht...

Ich werde demnächst einfach mal 10-15 747-400 nach ihrer Mach-Number fragen. Mal sehen, wie oft .86 dabei rauskommt... :yes:
 
Das dürfte abhängig vom eingegebenen cost-index bei der 747-400 genau so zwischen .84 und .86 liegen wie bei A330 zwischen .81 und .84. Zum Thema CI wurde in diesem Forum m.E. schon geschrieben. Wer es eilig hat und den Sprit dazu, fliegt schneller, ansonsten wird eben langsamer geflogen.

Viele Grüße

Werner
 
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