Zulässige Track Abweichung bei IFR

Ingenieur

Mitglied
Hallo zusammen,

Ich hätte mal die folgende Fragen:

Gibt es eine maximal zulässige laterale Ablage vom geplanten Track bzw. wie weit darf man sich von der Mitte der Luftstraßen entfernen?

Wo sind zulässige Ablagen geregelt?

Und wie genau kann eigentlich der Pilot der Ideallinie folgen, wenn er manuell bzw. über selected Modes des Autopiloten fliegt?

Grüße, Andreas
 
In der prä-PGS-Ära als die Airways noch durch ein Funkfeuer an jeder Biegung definiert waren, betrug die Airway-Breite abhänging von der Entfernung zwischen den Funkfeuern 5 bzw. 10 NM.

Inzwischen spielen die Funkfeuert keine wirkliche Rolle mehr, es wird hauptsächlich mittels RNAV (Area Navigation) auf Airways geflogen, die durch RNAV Waypoints definiert sind. Durch den verbreiteten Einsatz von GPS ist Basic-RNAV mit einer Navigationsgenauigkeit von 5NM (RNP5) inzwischen auch für IFR-Kleinflieger über FL100 vorgeschrieben. Für bestimmte Anflugverfahren sind auch RNP1 oder gar RNP0.3 vorgeschrieben.

Aus der Anwendersicht ist damit die Navigationsgenauigkeit enroute 5NM, wobei da natürlich auch statistische Abwägungen eine Rolle spielen, denn sonst könnte man nach RNP5 nicht 2 Airways nur 10 NM nebeneinander verlegen, was aber öfters vorkommt.

Die Verfahrensplaner können sicher mehr dazu sagen...

Gruß MAX
 
Servus,
Ich hätte mal die folgende Fragen:
1. Gibt es eine maximal zulässige laterale Ablage vom geplanten Track bzw. wie weit darf man sich von der Mitte der Luftstraßen entfernen?
2. Wo sind zulässige Ablagen geregelt?
3. Und wie genau kann eigentlich der Pilot der Ideallinie folgen, wenn er manuell bzw. über selected Modes des Autopiloten fliegt?
1.
Ja! (theoretisch) Null!
ATC geht davon aus, dass der Flieger auf dem Strich fliegt. Das links und rechts der Centerline-Fliegen gibt es schon lange nicht mehr. Zumindest hier in Mitteleuropa (ich lass das mal so stehen :cool:).
Mit Radar wuchs das Vertrauen der Piloten in die Performance der Lotsen.
Natürlich sind ATS Strecken gepuffert, aber das sind Verfahrenssicherheitspuffer und kein zusätzlicher Freiraum für Piloten.
2.
Deshalb steht auch nirgendwo etwas dazu.
3.
Er kann auf dem Strich fliegen. Sonst gäbe es z.B.: nach einem ILS-Anflug keine Landung.
Das man Enroute nicht genauso fliegt, sondern etwas gedämpfter, ist ja klar. Sonst würden die Paxe nach kurzer Zeit auch "Rolling Home" singen, oder - "M'r lasse d' Dom in Kölle!"

Aus der Anwendersicht ist damit die Navigationsgenauigkeit enroute 5NM, wobei da natürlich auch statistische Abwägungen eine Rolle spielen, denn sonst könnte man nach RNP5 nicht 2 Airways nur 10 NM nebeneinander verlegen, was aber öfters vorkommt.
Das komplizierte Gerechne von links/rechts und Öffnungswinkel bei Einsatz von NDB und VOR mit/ohne DME oder gar Intersections lassen wir mal weg. (Ich weiß es allerdings auch nicht.)
Die Bauvorschrift für die RNAV-Geräte fordert RNP5, d.h. das Gerät muss über 95% der Zeit innerhalb der Toleranz (5NM) sein. ATC will Dich aber trotzdem "auf" dem Strich sehen. Das schafften aber bereits die alten Kisten von King, Garmin, Apollo, usw. vor 20 Jahren und das ist heute überhaupt kein Thema mehr, man fliegt wirklich wie auf Schienen, im Gegensatz zu den diversen Turn Anticipation Algorithmen. Diese 5 NM im RNP5-Mode bedeuten auf das HSI projiziert, dass ein Dot Ablage gleich 1 NM Ablage entspricht. Aber wenn Du händisch flögest (Charly kann das eh besser), ließest Du maximal 2 1/2 Dots (2.5 NM) zu, bevor Du wieder anschnittest. (Pfft ;D)
Die grundsätzliche IFR-Pufferung ist 1000 ft über dem höchsten Hindernis im Umkreis von 8 Km (~4.4 NM)
Viele Geräte bieten die Möglichkeit per Hand die Genauigkeit auf RNP1 und RNP0.3 zu reduzieren.
Das bedeutet Ablagen pro Dot von 0.2 NM bzw. 0,06 NM.
Die Geräte machen das bei 30 NM zum IAF und FAF selber, wenn man einen RNAV-Anflug anwählt.

Die Strecken können bei solchen Abständen nur noch radarüberwacht in gleicher Höhe genutzt werden. Konventionelle Gedanken (ausser bei Höhenstaffelung) spielen heutzutage keine Rolle mehr. Die Flieger sind ja auch nicht immer und alle in der gleichen Höhe und am gleichen Fleck. Und 5(3) NM lateral haben die Flieger meistens.
Sonst macht ATC sich das.
 
Seitliche Staffelung

Ja! (theoretisch) Null!
ATC geht davon aus, dass der Flieger auf dem Strich fliegt. Das links und rechts der Centerline-Fliegen gibt es schon lange nicht mehr. Zumindest hier in Mitteleuropa (ich lass das mal so stehen :cool:).


Guten Tag !
Wie mit freiem Auge häufig zu beobachten oder wie häufig auch in http://radar.zhaw.ch/radar.html zu sehen, fliegen die Zeuge manchmal mit - subjektiv gesehen - wenig seitlichem Abstand (allenfalls einige NM) parallel nebeneinander.
Selbst schon als Paxe gesehen: Gegenverkehr auf gleicher Höhe bei relativ geringem (?) Seitenabstand.- Die Gesichter hinter den vorbeisausenden Fenstern konnte man fast erkennen ;-)
Wie erfolgt sowas? Nicht doch auf ATC-Anweisung, definiert neben dem Strich zu fliegen ? Oder ist das die besagte 5NM-Toleranz ?
Bitte um / danke vorab für Info.

Josef alias b-707
 
Selbst schon als Paxe gesehen: Gegenverkehr auf gleicher Höhe bei relativ geringem (?) Seitenabstand.- Die Gesichter hinter den vorbeisausenden Fenstern konnte man fast erkennen ;-)

Josef alias b-707

Hallo Josef,

zunächst einmal zu den wenigen NM Abstand:
Wenn ich mich nicht sehr täusche, darf der Lotse Flugzeug unter gewissen Voraussetzungen mit einem Abstand von 3NM staffeln. Das ist schon relativ wenig. Wie er das macht und gewährleistet (RNAV fliegen lassen, "direct to" gegebn oder Radarkurse anweisen), ist seine Sache.
Nun zu Deinem Beobachtungen als Passagier: Schon bei einem Seitenabstand von nur 1 NM kann der geübte Flugzeugführer nicht unbedingt mit bloßem Auge erkennen, ob das andere Flugzeug 1000ft höher oder tiefer ist. Insofern dürfte der von Dir angesprochene Gegenverkehr auch eine Vertikalstaffelung von mindestens 1000ft gehabt haben. Das Erkennen von Gesichtern hast Du ja selbst schon mit ;-) kommentiert, denn bei Annäherungsgescheindigkeiten im Reiseflug von gut 1600km/h ist das selbst bei geringem Abstand kaum möglich.

Viele Grüße
Werner
 
3NM sind in Deutschland eigentlich nur im "An- und Abflugbereich" erlaubt. Überall anders, vor allem oben drüber sind es mindestens 5NM.
Opposite 3NM oder 5NM aneinander vorbei fliegen zu lassen, ist wohl eher die Ausnahme. Airways sind mindestens 1NM weiter auseinander und als Lotse baut man sich diesen Puffer normalerweise auch gerne ein.
Im Streckenbereich ist es verfahrensbedingt eher unüblich, dass 2 Maschinen opposite die selbe Flughöhe haben. Normalerweise sind da mindestens 1000ft zwischen.
 
vor allem oben drüber sind es mindestens 5NM.

Abgesehen vom Gegenverkehr in einigen NM seitlichem Abstand:
Beispiel: Östlich von München verläuft eine stark frequentierte "Luftstrasse" (die B1 ?). Da kann man häufig beobachten, dass Flugzeuge minutenlang parallel nebeneinander fliegen (vermutlich auch höhen-gestaffelt).
Woher kommt der präzise eingehaltene seitliche Abstand ? Ist es doch ein Fliegen "neben dem Strich" auf ATC-Anweisung ? Soviel präzises paralleles Fliegen, erkennbar an den Kondensstreifen, kann doch nicht einfach nur die RNAV-5NM-Toleranz sein ???

Neugierig
Josef alias b-707
 
Hallo Josef,

zunächst einmal zu den wenigen NM Abstand:
Wenn ich mich nicht sehr täusche, darf der Lotse Flugzeug unter gewissen Voraussetzungen mit einem Abstand von 3NM staffeln. Das ist schon relativ wenig. Wie er das macht und gewährleistet (RNAV fliegen lassen, "direct to" gegebn oder Radarkurse anweisen), ist seine Sache.
***snip***
Viele Grüße
Werner

Ah, ist das eh schon die Antwort?
Trotzdem wären nähere verfahrenstechnische Details zur seitlichen Staffelung interessant.

Gruss
Josef alias b-707
 
Östlich, eher südöstlich von München, also so übern Chiemsee in Richtung Klagenfurt?

Da verlaufen 2 Airways mehr oder weniger parallel. Das beginnt in Höhe Dinkelsbühl und verläuft dann grob über München in südöstlicher Richtung bis nach Österreich rein.
Die haben an der engsten Stelle (MUN-VOR) knapp über 6NM seitlichen Abstand.

Wenn auf beiden Airways Flieger in der selben Höhe sind, kann man sie einfach fliegen lassen. Heutzutage ist die bordeitige Navigation so genau, dass sie dann auch wirklich ziemlich genau aufm Strich fliegen.
Die 5NM-Toleranz ist also sehr theoretisch. Wenn da ein Flieger mehr als eine Meile abweichen würde, würde es in Mitteleuropa ständig Staffelungsunterschreitungen geben.

Dass man 2 Flieger gewollt parallel fliegen lässt, ist eher selten und dann auch nur, um einen über den anderen, bzw. unter den anderen zu bekommen.
 
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