1800km durch Irlands Süden - ein Reisebericht (Sommer 2019)

martin67

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Prolog Nr. 1

Jede Reise hat eine kleine Vorgeschichte. Vor knapp 30 Jahren war ich fast ganz frisch nach München gezogen und hatte nach meinem Zivildienst eine kleine Bleibe im Norden Schwabings gefunden. Man geht ab und zu abends mit Freunden auf ein Bier und probiert die Kneipen in der Umgebung aus. "Vollmond", "Alter Ofen" (da gab's immer Fleischpflanzl zu später Stund), letztendlich blieb ich im "Shamrock" in der Trautenwolfstraße hängen, das fast zu meinem zweiten Wohnzimmer wurde. Dort war es laut, sehr voll und verraucht, jeden Abend gab es Livemusik, und Guinness und Kilkenny konnten so manche Mahlzeit ersetzen. Man traf dort immer ein bekanntes Gesicht zum ratschen, und wenn nicht, dann war das auch ok. Über die Jahre kannte ich all die Lieder über die Berge von Donegal, Molly Malone, das County Down und die Pferderennen von Galway. Hingefahren bin ich zu jener Zeit nicht. Damals konnte ich billig fliegen, da waren meine Ziele eher San Francisco, Houston, Tokyo oder Sydney. Es war seltsam, man baut mit der Zeit eine ausgeprägte Beziehung zu einem Land und seine Leute auf, gesehen hat man es nie. Nachdem ich 2008 nach Hallbergmoos ausgewandert war, eine kleine Familie um mich herum, hatte sich das Publeben erledigt. Nur einmal im Jahr, an einem Wochenende im Sommer, da war "Greenfarm Festival", organisiert von Leuten, die mir aus der Vergangenheit wohlbekannt sind und mit vielen Bands, die ich schon seit vielen Jahren kenne, Guinness und Kilkenny inklusive. Leider fand das Festival 2018 zum letzten Mal in Hallbergmoos statt, Zukunft ungewiss.

Endlich, im Jahr 2013 war ich zum ersten Mal in Irland, von Dublin ging es nach Connemara im Nordwesten.

Prolog Nr. 2

Die folgende Reise hat noch eine kleine Vorgeschichte. Vergangenen Sommer waren wir in Tokyo, Temperaturen von gut über 40°C machten jegliche Aktivität zur Qual. In den Pfingstferien 2019 in Italien an der Adria hatten wir um die 37°C, und auch der Frühsommer 2019 hier in Bayern war relativ heiß. Wir wollten irgendwo hin, wo es schön ist, wo es kühl ist und wo man sich bewegen kann. Spektakuläre Landschaften und nette Menschen wären noch ein Pluspunkt. Noch eine Einschränkung gab es, die liebe "Marie". Es sollte nicht zu teuer werden. Damit war Skandinavien aus dem Rennen, das Baltikum schied ebenfalls aus. Aber, Flüge nach Dublin waren günstig zu bekommen und Irland ist hervorragend auf individuellen Rundreisetourismus eingestellt. Auch im Frühsommer in der Planungsphase war es kein Problem, erschwingliche Bed & Breakfast Unterkünfte zu buchen. 2013 waren wir, wie schon erwähnt, im Nordwesten, diesmal stand der Süden auf dem Programm.

Es geht los!

Schon bei der Planung zeigte sich, wie "touristisch ergiebig" Irland ist. Wir haben viel von unserer "Want-to-do-Liste" gestrichen und dafür eine weitere Reise im Hinterkopf behalten. Die geplante Route haben wir uns in 50 bis 150km lange Etappen eingeteilt. Die Reise sollte mit dem Mietwagen von Dublin über die Wicklow Mountains, Kilkenny, Cashel, Cork, Mizen Head, Bantry, den Ring of Kerry, Teile des Wild Atlantic Ways und die Cliffs of Moher wieder nach Dublin führen, wo wir den Wagen zurückgeben wollten. Dann waren vor der Rückkehr nach Deutschland noch zwei volle Tage Dublin drin, von denen wir einen für eine Fahrt nach Belfast in Nordirland ins Titanicmuseum verbraucht haben.

Am 29.07.2019 sind wir mit dem Abendflug von Ryanair mit einer guten Stunde Verspätung nach Dublin gestartet, das Hotelzimmer in der Nähe des Flughafens haben wir gegen 1 Uhr nachts bezogen.



Der gebuchte Mietwagen stand gegen 15 Uhr zur Abholung am Rental Car Centre bereit, wir sind nach einem "Full Irish Breakfast" (Wurst, Speck, Eier, Bohnen, Rösti, Black & White Pudding) und Kaffee aber erstmal mit dem Bus nach Dublin reingefahren. Davon existieren keine Bilder, da es schon nach kurzer Zeit so zu schütten angefangen hat, daß der Ausflug eigentlich nur ein längerer Aufenthalt bei Starbucks war. Wie ein Starbucks aussieht, wissen sicher die meisten. Ansonsten, einfach mal reinschauen. Wir mussten dann zum Bus, der uns zurück zum Flughafen brachte, da hat es immer noch geschüttet. Bei der Fahrzeugübergabe war kurz Ruhe, auf der Ringautobahn M50 waren dann wieder alle Schleusen geöffnet. Ans "Auf-der-falschen-Seite-Fahren-und-rechts-sitzen" musste ich mich auch noch gewöhnen, den ersten kleinen Kreisverkehr nahm ich gegen die Uhr. Wir bekamen einen VW Golf, das ist ein problemloser Wagen

Schnell noch das Gepäck aus dem Hotel geschnappt, jetzt waren wir auf der M50 in Richtung Süden unterwegs. Die Wicklow Mountains liegen etwas 50 - 60km südlich von Dublin, dort haben wir uns für zwei Nächte in der Nähe von Gleann Dà Loch (Glendalough), dem "Tal der zwei Seen" einquartiert. Den Abend verbrachten wir im lokalen Pub, auf dem Rückweg trafen wir eine Frau aus Holland, die meinte, Glendalough könnte man in einer knappen Stunde zu Fuß durch den Wald erreichen. Und das haben wir dann am Mittwochmorgen gemacht.

Es ist eine malerische, uralte Brücke, die über den Fluß führt



Nach einer halben Stunde stand ein Schild am Wegesrand, das in den Wald zeigte. "St Saviour's Church" stand drauf. Es gab einen kleinen Trampelpfad durchs Dickicht und auf einer Lichtung stand die Ruine einer kleinen Kirche aus dem 12. Jahrhundert.





Im 6. Jahrhundert n. Chr. siedelten im Zweiseental die ersten Mönche und gründeten ein Kloster. Von diesen frühchristlichen Aktivitäten ist heute nichts mehr zu sehen. Erhalten, z.T. als Ruinen, sind Teile des Klosters aus dem frühen Mittelalter, die aus dem 11. Jahrhundert datieren.



Wie man sehen kann, es kam die Sonne raus, das war schön. Die uralten Grabsteine und keltischen Grabkreuze sorgen für eine mystische Stimmung, zu der allerdings der Sonnenschein weniger passt. Irgendwas ist immer.





Auch wenn es auf den Bildern so aussieht, daß man sich hier allein bewegt, es ist nicht so. Glendalough ist gut erreichbar und relativ spektakulär, da muss man mit entsprechenden Besuchern rechnen.



Gegen Mittag sind wir wieder über die Brücke am Fluß zu unserer Unterkunft gewandert. Eigentlich wollte ich ja ganz früh am Morgen zu Sonnenaufgang auf dem Friedhof sein, im Morgennebel. Den gab es aber nicht, dafür für mich zwei Stunden zusätzlichen Schlaf.



Ja, und kleine Geister gibt es auch im Wald, oder sind das doch nur Schwammerl? Und hat der Baum eine Nase?



Diese Fragen werden im nächsten Teil nicht beantwortet. Am Nachmittag sind wir in die umliegenden Berge gefahren, ein bißchen wandern und die schöne Natur geniessen...
 

martin67

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Die folgenden Bilder sehen aus, als wären wir weite Strecken durch die skandinavische Tundra gefahren. Das war aber nicht so. Von unserem Domizil waren es vielleicht 10 - 15km, bis wir in den Bergen waren. Also, keine Angst, von den 1800km gesamter Fahrstrecke sind noch genügend übrig für viele andere schöne Erlebnisse.



Jetzt kommt die nächste Ruine. Also, nicht daß jemand glaubt, in Irland läge alles in Trümmern, aber es gibt wirklich viele alte Denkmäler, die man nicht vollständig in den Ursprungszustand zurückversetzt hat. Oberhalb Glendalough, am 699m hohen Camaderry Mountain, wurde blei- und silberhaltige Mineralien gefunden und ab 1825 abgebaut. Es gab dort ein Mahlwerk und einen Schmelzofen. Die Bleigewinnung endete um 1957. Reste des Abraums und von gemahlenem Gestein, an einigen Stellen auch Schlacke, kann man heute noch sehen. Die offensichtliche Baumarmut auf den umliegenden Bergen geht wohl auf den Schmelzofen zurück.



Eine Halde für Gesteinsmehl am gegenüberliegenden Hang.



Baumlose Hänge, die Höhen liegen um die 700m, also weit unter der eigentlichen Baumgrenze.



Es ist eine wirklich eindrucksvolle Fahrt, insbesondere, weil wir noch nicht wussten, was noch alles auf uns zukommen wird.





Eine kleine Wanderung tat gut, ganz besonders die Brotzeit in luftiger Höhe. Wir sind nicht weit gegangen, vielleicht eine Stunde. Für die Hartgesottenen gibt es aber den 135km langen "Wicklow Way", einen gut markierten Wanderweg durch das Wicklow County.







Wenn man von oben auf die kleine Welt schaut, erscheinen einem die Probleme, die die beiden Busfahrer gerade haben, gar nicht so groß....



Die Straßen sind knapp bemessen in Irland. Manchmal sehr knapp. Am folgenden Tag ging es dann erst einmal nach Kilkenny und damit wieder in eine etwas urbanere Landschaft.
 
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martin67

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Mit Kilkenny (Cill Chainnigh, Kirche des Canisius), unserer nächsten Station, verbindet man vermutlich hierzulande zunächst einmal das Ergebnis Irischer Braukunst. Kilkenny ist aber auch eine kleine, malerische Stadt mit knapp 25.000 Einwohnern am River Nore, in der sich eine bedeutende Künstlerszene breit gemacht hat. Es gibt ein Schloß und verschiedene Klosterruinen, die bis ins 6. Jahrhundert zurückreichen. Nachdem wir unser Quartier bezogen hatten, wollten wir natürlich erst einmal die Stadt erkunden.

Auf dem Bild im Hintergrund ist das Schloß zu sehen.



Natürlich gehört dazu auch ein gepflegter Garten, in dem sich Besucher und Einheimische gerne für ein paar Minuten niederlassen.



Regen gibt es so gut wie täglich in Irland, da sind bereits aufgespannte Regenschirme in den Gassen sehr willkommen. Der Ire weiß sich zu helfen, da kann man auch mal den Schirm vergessen, oder im Bus liegen lassen.



Kilkenny ist eine bunte und vitale Stadt, die Künstlerszene hat ihren Anteil daran. Viele Pubs laden am Abend zu einem gemütlichen Besuch ein.





Mittelalterliche Häuser mit einer langen Geschichte findet man überall in de Straßen und Gassen. In Kilkenny fanden übrigens in jener Zeit die ersten Hexenverbrennungen Irlands statt.





Kilkenny hat eine lange Brautradition. Frühe Mönche wollten das Wasser der Gegend genießbar und schmackhaft machen, und fingen an, daraus Bier zu brauen. In jener Zeit wurde übrigens noch kein Hopfen beigefügt, das mittelalterliche Bier war süß und hatte weniger als 1% Alkoholgehalt. Bis 2013 stand hier die Smithwick's Brauerei, die 1965 an Guinness in Dublin verkauft wurde. Spezialität des Hauses ist ein rotes Ale mit dem Namen Smithwicks (in Irland ungefähr "Smiddiggs" ausgesprochen). Der Name war in den Exportmärkten kaum auszusprechen und neigte zusätzlich, gerade im deutschen Sprachraum zu Verballhornungen. Daher entstand eine etwas stärkere Exportbiervariante, die unter dem Namen "Kilkenny" vermarktet wird und auf der ganzen Welt getrunken wird.

In den historischen Gebäuden wird die Tradition zelebriert, es werden Führungen angeboten, wo auch jenes mittelalterliche Gebräu verkostet wird. Zum Abschluß jeder Tour gibt es dann noch ein richtiges "Smiddiggs" vom Fass. Ich habe mir die Führung gegönnt, meine Damen waren währenddessen in der Stadt zum Bummeln. Kleiner Tipp, Smithwick's Merchandise gibt es nur in Kilkenny.





Das letzte Produktionsgebäude der Brauerei befindet sich in einem desolaten Zustand und wird wohl bald verschwunden sein, vielleicht zugunsten eines Einkaufszentrums.



Am nächsten Tag ging es bei uns weiter in Richtung Südwesten.
 

martin67

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In Cashel (Caiseal Mumhan) in der Grafschaft Tipperary steht der Rock of Cashel, ein Kalksteinfelsen, der schon in Vorchristlicher Zeit mystische Bedeutung hatte. Es war Patrick selbst, der dem Ort im 5. Jahrhundert unserer Zeit den Status eines Bischoffsitzes gab. Auf dem Berg stehen die Ruinen eises ehemaligen Benediktinerklosters, die dem Berg ein gewisses "Harry-Potter-Aussehen" geben (meint meine Tochter), oder waren es nicht doch die Ritter der Kokosnüsse? Zumindest ist die Ruine schon von weitem sichtbar.



Am Abend war auch Sonne im Wetter enthalten.



Vor den Toren der Stadt auf einem Feld steht eine weitere, beeindruckende Ruine eines Klosters, dem Hore Abbey. Ursprünglich eine Benediktinerabtei, träumte der damalige Erzbischoff von Cashel, David McCarvill im Jahr 1272, daß ihm die Mönche nach dem Leben trachteten. McCarvill ließ daraufhin die Benediktiner kurzerhand hinauswerfen und holte sich in seinen Augen friedlichere Gesellen, Mönche vom Orden der Zisterzienser, die fortan im Hore Abbey lebten und wirkten. Es war die die letzte Neuansiedlung von Zisterziensern in Irland. Das Kloster bestand bis ins 16. Jahrhundert.







Vom Hore Abbey hat man einen schönen Blick auf den Rock of Cashel.



Cashel selbst ist eine hübsche, kleine Stadt mit ca. 3000 Einwohnern. Für den Tourismus ist der Ort mit vielen B&B Unterkünften, Hotels, Pubs bestens gerüstet.





Kennt jemand das hier? Man kann in Cashel sogar noch öffentlich telefonieren, wenn man ein paar Münzen einstecken hat und die Telefonnummer seines Gegenübers weiß. Gab es vor langer Zeit auch mal bei uns.



Mit einem abendlichen Blick auf den Burgberg verabschieden wir uns aus Cashel.



Und jetzt kommt bald noch Meer....
 
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martin67

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Clonakilty (Cloich na Coillte) liegt etwas westlich von Cork und war unsere nächste Station. Ein paar Kilometer östlich von Clonakilty in Kinsale ist der südliche Anfang des "Wild Atlantic Way", einer über 2500km langen Küstenstraße, die bis an die die nordirische Grenze im County Donegal reicht. Den Wild Atlantic Way darf man sich nicht als durchgehende und gut ausgebaute Straße verstehen (vgl. Jadranska Magistrale in Kroatien), es ist eher eine befahrbare Verbindung teils recht abenteuerlicher Wege.

Wir sind am Nachmittag angekommen, haben unser Quartier in einem wunderschönen B&B auf dem Land etwas außerhalb von Clonakilty bezogen und sind dann los, die Gegend unsicher zu machen (wobei, wirklich unsicher wurde es nicht, ich hatte zu diesem Zeitpunkt den Rechtslenker-Golf schon gut im Griff). Am Ort gibt es eine Whiskeybrennerei,die auch Führungen anbietet, leider ausgebucht. Aber, nachdem das nicht die einzige Attraktion gewesen ist, haben wir den Steinkreis von Templebryan ge- und besucht. Dieser Steinkreis auf einem Feld bestand in den ersten Aufzeichnungen aus neun Steinen, mittlerweile stehen noch vier, und einer liegt. Ganz in der Nähe liegt eine frühchristliche Stätte.



Dieser Steinkeis ist kaum beschildert, wir haben ihn irgendwie eher zufällig entdeckt. Parkmöglichkeiten gibt es dort nicht. Eigentlich steht er seit Jahrhunderten dort unberührt auf dem Feld. Unser Weg führte uns weiter an die Küste, da gibt es einen schönen Strand, wo sogar Leute, trotz recht kühler Wassertemperaturen um die 15°C baden gegangen sind.





Die irischen Strände im Süden und Westen sind nie weitläufig, es sind kleine Buchte mit etwas Sand und Felsen.



Dann kam unsere erste Begegnung mit dem Wild Atlantic Way. In Cork ist noch relativ wenig Verkehr, die Straße glich eher einem Feldweg. Außer uns war kein Mensch unterwegs.



Boote in der Nähe einer Bucht lagen am Wegesrand.



Ein einsames Farmhaus....



...wieder eine kleine Bucht mit Strand, an dem die auflaufende Flut für eindrucksvolle Wellen sorgte.



Ein Leuchtturm, an den man aber leider nicht näher heran kam, die Zufahrtswege waren gesperrt.



Und dann wieder Küste und Felsen.



Am nächsten Morgen im Frühstücksraum trafen wir Leute aus Frankreich, Taiwan und Irland, es gab Speck, Würstchen Eier und Bohnen. Für uns ging es danach weiter in Richtung Westen.
 

martin67

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Unser Ziel an diesem Tag war Waterville im County Kerry, aber zunächst wollten wir nach Mizen Head, eine Landzunge, die den südlichsten Zipfel Irlands markiert. Zunächst ging es recht unspektakulär, dafür zügig, auf der Landstraße N71 nach Westen, bis nach Ballydehob. Von dort ging es auf kleineren Straßen noch ungefähr 20km weiter bis Mizen Head.

Irgendwo an einem Parkplatz stand ein keltischer Steinaltar, der auch noch in christlicher Zeit von Priestern als solcher genutzt wurde, die keine Zulassung zur Ausübung von Gottesdiensten in Kirchen hatten.



Bis hier hatten wir noch relativ gutes Wetter, aber das änderte sich zusehends.





Und wieder kleine Buchten mit Stränden, eine schmale Straße.



Wie mag es wohl sein, in einem dieser Häuser zu leben?



Ja, es gab noch andere, die sich diesen Weg ausgesucht hatten.



Dann kamen wir in Mizen Head an. Das ist der südlichste Punkt Irlands. Es nieselte leicht, als wir vom Parkplatz in Richtung Visitor Centre gingen. In Mizen Head gab es eine Funkstation und einen Leuchtturm, die Felsen wurden trotzdem so manchem Schiff zum Verhängnis



Über die im Jahr 1910 errichtete Brücke kommt man auf den vorgelagerten Felsen mit der Funkstation. Ich war fast erstaunt, die Bogenbrücke sah gar nicht so wirklich alt aus, auf über 100 Jahre hätte ich sie nicht geschätzt.



In der Funkstation erfährt man viel über die Flora ud Fauna von Mizen Head. Bei gutem Wetter soll man dort auch Wale beobachten können, nur wir haben keine gesehen. Vielleicht beim nächsten Mal.



Mit einem dramatischen Ausblick von der Brücke auf die Felsenküste sind wir wieder zum Parkplatz, der Nieselregen hatte sich in einen richtigen, ausgewachsenen Regenguß gewandelt, es wurde richtig ungemütlich.



Meine Brille habe ich mit dem Händetrockner auf der Toilette wieder durchsichtig gemacht, dann ging die Reise weiter, diesmal erstmals nach Norden.
 

martin67

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Von Mizen Head sind wir zurück auf die Straße N71 nach Bantry. Diese kleine Stadt liegt eigentlich malerisch in einer Bucht, wegen des sehr starken Regens hatten wir nicht viel davon. An einen Rundgang war nicht zu denken, wir sind daher nur in den SuperValue Supermarkt gegangen, etwas zu essen kaufen und Toiletten gibt es dort ebenfalls. Schade, eigentlich hatte ich mich besonders auf Bantry gefreut. Wieder ein Grund, nochmal bei besserem Wetter......



Auf der Suche nach Sonne sind wir weiter nach Norden auf der N71. Wir wollten ja noch bis Waterville, wo unser nächstes Quartier gebucht war. Der Caha Pass ist sicher ein recht eindrucksvolles Stück Strecke auf dem Weg nach Kerry, wirklich gesehen haben wir nichts. Auch hier war Regen und wegen der Höhe auch die Wolken. Es sah nicht wirklich gut aus.





Aber, Irland wäre nicht Irland, wenn nicht das Wetter sehr schnell umschlagen würde. Nur eine halbe Stunde weiter brach die Sonne durch.



Endlich konnten wir rasten und uns ein paar Sandwiches machen, die wir in Bantry gekauft hatten.



Und endlich konnten wir wieder eindrucksvolle Küsten sehen.



Dann kamen wir in unserem Domizil an, mit Palmen im Garten.



Direkt hinter dem Haus lag der Lough Currane.



"Lakelands Farm Guesthouse", für zwei Nächte haben wir uns hier einquartiert.



Waterville (An Coireàn) liegt sehr idyllisch auf einem schmalen, natürlichen Damm, der den Süßwassersee Lough Currane vom Meer und der Ballinskelligs Bay trennt. Charlie Chaplin verbrachte viel Zeit hier und auch wir haben diesen Ort lieben gelernt. Von Chaplin steht eine Statue am Strand, von uns noch nicht.



Jetzt waren wir am "Ring of Kerry", den wir uns am nächsten Tag vorgenommen hatten.
 

martin67

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Der "Ring of Kerry" ist eine ca. 180km lange Rundstrecke, die in weitgehend der Nationalstraße N70/N71 folgt. Am Ortsende von Waterville zweigt die R566 als Teil des "Wild Atlantic Ways" ab, die für 40km direkt an der Küste entlang führt. Für diese 40km kann man gut und gerne 5 - 6 Stunden einplanen, die braucht man für Fotostops, zum Schauen, oder zum Warten an den Ausweichstellen auf den Gegenverkehr.

Ein kleiner Hafen mit Stilleben von Booten, der Traktor hat auch schon bessere Zeiten gesehen.



Verlassene Häuser ganz in der Nähe. Schön, daß man in Irland so etwas stehen läßt.



Auch ehemalige Bauernhöfe kann man an der Atlantikküste noch viele finden. Manche wurden in einer Zeit (zwischen 1845 und 1850) aufgegeben. als Irland wegen einiger aufeinanderfolgender Missernten Hungersnöte durchleiden musste. Die Besitzer sind oft an Nahrungsmangel gestorben oder ausgewandert. In jener Zeit haben auch manche armen, jüngeren Leute Verbrechen begangen, um auf einem der "Coffinships" nach Australien deportiert zu werden, in der Hoffnung auf ein besseres Leben.





12km vor der Küste liegen zwei bizarre Felseninseln, die "Skellig Michael" In frühchristlicher Zeit hatten Mönche auf der größeren der beiden Inseln ein kleines Kloster gebaut, um in aller Abgeschiedenheit leben und wirken zu können. Reste davon sind heute noch zu sehen. Weil es dort so aussieht, wie auf einer anderen Welt, haben auch die Filmemacher von Star Wars auf den Skelligs gedreht, und zwar die Filme "Das Erwachen der Macht " und "Die letzten Jedi". Wir waren nicht dort, der Besuch war uns heuer mit über 100€/Person zu teuer, was aber nicht heißt, daß wir nicht beim nächsten Mal doch dort hin fahren. Am kleinen Skellig, der nicht betreten werden kann, nisten jede Menge Vögel, u.a. Papageientaucher. Auf dem Bild kann man die weißen Hinterlassenschaften am Hang sehen.



St. Finians Bay hat einen herrlichen Sandstrand, bei knapp über 15°C Wassertemperatur bringt der nur nicht viel (wobei einige Iren ziemlich hart im Nehmen sind, oder mit Neopren ins Wasser steigen).



Etwas Küste?



Oder lieber weites Land?



Das sind die "Cliffs of Kerry", fast so schön und viel weniger überlaufen, als die bekannteren "Cliffs of Moher" weiter nördlich.





Die nächste Station war dann Killarney, das auch am Ring of Kerry liegt (allerdings im Landesinneren) und einen eigenen Nationalpark hat.
 
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martin67

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Der Abschied aus Waterville fiel uns besonders schwer. Es war nicht nur die außergewöhnliche Lage am See und am Meer und die schöne Umgebung, auch das aus Argentiniern, Japan und Italien stammende Personal in unserer Unterkunft, mit dem wir am Abend zuvor im Fernsehraum bei einer Tasse Tee Freundschaft schlossen, machte es uns nicht leicht, zu gehen. Nach dem Frühstück sind wir zuerst nach Cahirsiveen (Cathair Saidhbhín), und haben uns unsere Vorräte für die Fahrt aufgefüllt. Auch Cahirsiveen ist ein kleiner Ort, der weit mehr zu bieten hat, als wir auf dieser Reise anschauen konnten.





Zur Abwechslung ein paar Schafe, die gehören zu Irland dazu!



In Killarney gibt es eine Burg am See, die einige Besonderheiten aufweist, die sonst nur in Kontnentaleuropa vorkommen, wie z.B. ein Erker, von dem man Dinge auf seine Angreifer herabfallen lassen konnte (der Legende nach waren das kochendes Öl oder Exkremente, beides nicht wirklich lustig für die Leute vor der Mauer...)



Kleiner Spaziergang durch einen naturbelassenen Wald zu einem Wasserfall im Killarney National Park.





Der obere See in traumhafter Kulisse.



Auf der Passhöhe überraschte uns ein Regenschauer. Obwohl, ein Regenschauer kommt in Irland nie überraschend. Aber, die durchbrechende Sonne zauberte daraus einen wunderschönen Regenbogen über dem Tal.



Während der Fahrt sollte man nur mit der Kamera hanteren, wenn man eine Versicherung hat und es ihr geheimhalten kann, daß man während der Fahrt mit der Kamera hantiert hat. Oder, man ist ein guter Fahrer. Ich habe nicht drüber nachgedacht, als ich die Bilder geschossen habe.





In Killarney, das ein relativ großer Ort ist, haben wir drei Reisenden gemerkt, daß uns eigentlich asiatisches Essen gerade ziemlich fehlt. Wir haben uns dann in einem indisch/chinesischen Restaurant niedergelassen, und unsere Bedürfnisse gestillt. Danach haben wir uns noch einen Pub gesucht, wo ein bisserl Musi war. Und das eine oder andere "Smiddiggs" (na, klingelt's?) ging auch noch "down the hatch".

Killarney war recht überlaufen, teuer und touristisch (touristisch waren wir ja eigentlich auch), deshalb war der Aufbruch zu neuen Ufern, und das im wahrsten Sinne des Wortes, nicht sehr schwer. Unser Ziel war jetzt das Mündungsdelta des Shannon River.
 

martin67

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Glin war der Name der Ortschaft am Shannon, in der wir unsere nächste Nacht gebucht hatten. Für die Fahrt dorthin hatten wir den ganzen Tag Zeit. Der Wild Altlantic Way hatte es uns angetan, da bot sich ein kleiner Umweg über die Dingle Peninsula an. Dort gibt es viel Natur, viele historische Stätten und Dingle markiert auch den westlichsten Pinkt des irischen Festlands und damit auch, von ein paar Inseln abgesehen, einen der westlichsten Punkte Europas.

Wir machten einen Stop beim "Irish Famine Museum", einem historischen Bauernhaus, in dem man viel über das Leben in Irland während der Hungerjahre erfahren kann.



im Haus findet man neben zeitgenössischen Einrichtungsgegenständen fast beängstigend realistische Puppen, die alte Kleidungsstücke tragen.



Die Landschaft ist fast baumlos, die kleinen Steinmauern dienen dazu, die Erosion zu verringern.



"Slea Head Drive" nennt sich dieses Stück der Straße, die die westliche Spitze der Dingle Halbinsel umrundet.





Am Slea Head bekommt der Reisende Beistand auf seiner Fahrt entlang der Küste, und vielleicht hat ja auch der eine oder andere Seefahrer davon profitiert.







Der Hügel rechts auf dem folgenden Bild ist "Dunmore Head", der westlichste Punkt der irischen Landmasse.



Die Nordseite der Dingle Peninsula ist viel weiter und weniger wild, als die Felsküste der Südseite.



Nach der Runde über die Halbinsel sind wir in der Stadt Dingle nach Norden abgebogen und über den spektakulären Conner Pass in Richtung Limerick gefahren.
 

martin67

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Die Südrampe des Connor Passes (er heißt Connor Pass und nicht Conner Pass, wie ich im vorigen Beitrag geschrieben habe, lässt sich jetzt bloß nicht mehr ändern) ist zweispurig ausgebaut und nicht so aufregend. Es geht auf Serpentinen nach oben. Aber, man hat schöne Ausblicke auf die Bucht von Dingle.



Vom Scheitelpunkt kann man erstmals auf die Nordseite sehen, ein wunderschönes Tal mit mehreren Seen und grünen Wiesen.



Die Straße wird dann aber plötzlich immer enger, bis nur noch eine Fahrspur da ist. Man muß hier weit vorausschauend fahren und die Ausweichstellen nutzen.



Mit dem folgenden Gegenverkehr muß man überall auf Nebenstraßen in Irland rechnen. Am besten langsam und vorsichtig, bevor es Schaf um die Kurve geht.



An den Ausweichstellen wird hier die kommende Ausweichstelle schon mit einer Entfernungsangabe angezeigt.



Im Tal angekommen, über die Umgehungsstrasse an Limerick vorbei, dann geht der Wild Atlantic Way wieder zu schönen Stränden und durch kleine Ortschaften



Immer wieder schon von Weitem zu sehen, der nächste Wetterumschwung. Regen dauert in Irland meist nicht sehr lange, dann kommt wieder die Sonne. Leider auch nicht sehr lange. Angeblich soll es auch längere Schönwetterperioden geben, in diesem Sommer war es aber für die Jahreszeit zu kühl und zu feucht.



In den kleinen Dörfern sehen die Tankstellen etwas kleiner aus, meist nur zwei, drei Zapfsäulen vor einer Autowerkstatt. Die Tafel an der Hauswand zeigt übrigens nicht den Benzinpreis an, sondern die Höhe des lokalen Lottojackpots, der ist anscheinend wichtiger. Schnell noch ein paar Kreuzerl gemacht, dann ging die Fahrt weiter.



Am nächsten Strand war wieder Sonne da und die Leute haben sich ins kühle Nass gewagt.



"Irish Traffic Jam", da war aber auch was los auf der Strasse...



Wir kamen dann in Glin an, haben unser B&B bezogen und sind noch ins Pub zum Abendessen. Ich wollte eigentlich ein "Smiddiggs" nach der langen Fahrt. Die Ansage im Pub war "we don't drink that here". Seltsam, naja, dann halt doch ein Harp's Lager.
 

martin67

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Glin ist eingentlich eine kleine, nette Ortschaft an den Ufern des Shannon. So ruhig und klein und nett, daß man fast "tote Hose" sagen könnte. Aber, wir waren die Nacht zuvor im quirligen Killarney, hatten auf der Fahrt viel gesehen, da tat etwas Ruhe wirklich gut. Im Pub am Abend standen wir dann als ausländische Gäste im Mittelpunkt, die anwesenden Dorfälteren wollten viel von und über uns wissen.







Am Morgen fragte uns unsere Gastgeberin beim Frühstück, was wir denn für den Tag geplant hätten, Sie hat uns dann vor den Klippen von Moher gewarnt, die eine Topsehenswürdigkeit Irlands sind. Wir haben unsere sieben Sachen eingepackt, die Koffer und Taschen ins Auto geladen, und sind nach einer herzlichen Verabschiedung runter an den Fluß, um mit der Fähre auf die Nordseite zu kommen.



Der Shannon River ist hier ein mächtiger Strom, die Überfahrt im Mündungsdelta dauerte über eine halbe Stunde. Seetaugliche Schiffe können hier weit ins Landesinnere fahren, deshalb hat man sich auch einen schönen Leuchtturm geleistet.



Eine Brücke gibt es hier weit und breit nicht, alles muß auf die Fähre, die in der Hauptsaison alle 30min verkehrt.



Irgenwie habe ich einen Narren gefressen an den kleinen Dörfern an der Westküste.



Die "Cliffs of Moher" sind ein Wahrzeichen Irlands. Auf der kleinen Straße, die als Teil des "Wild Atlantic Ways" ausgeschildert war, war kaum Verkehr. Bis kurz vor dem riesigen Parkplatz, da war etwas, was wir (von Dublin abgesehen) nirgendwo gesehen hatten: Stau! Die Einfahrt auf den kostenpflichtigen Parkplatz dauerte dann auch fast 40 Minuten. Und wo viele Parkplatze sind, mit vielen Autos und vielen Bussen, ja, da sind auch viele Menschen. Und davor hatte uns unsere Gastgeberin gewarnt. Es gab dort alles, Eisdielen, Souvenirshops, Restaurants, ein Museum über die geologische Geschichte dieser Klippen, Geigenspieler, die den ganzen Tag den "Wild Rover" herunterspielten, wirklich alles!



Es sind mächtige Klippen, vielleicht sollte man sie auf einem Boot vom Meer aus bestaunen, es gibt entsprechende Touren.





Wir sind nicht so lange geblieben, waren, obwohl die Situation wirklich vorhersehbar war, leicht enttäuscht. Aber, wir waren dort und haben die "Cliffs of Moher" gesehen. Unser nächste Ziel war eine Stadt namens Gort etwas südlich von Galway, das war dann auch schon unsere letzte Station im Westen Irlands. Auf dem Weg nach Gort mussten wir noch durch den Burren National Park.
 
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martin67

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Lisdoonvarna... Kennt jemand Christy Moore? Christy Moore ist ein bekannter (ist fast schon untertrieben) Irischer Liedermacher. Und kennt jemand den Begriff "Liedermacher"? Gibt es den noch? Und, gibt es heute noch Liedermacher? Also, Christy Moore hat einen Song über ein Städtchen Lisdoonvarna geschrieben, Wir sind da irgendwie durchgekommen und haben angehalten, und uns beim Spar-Laden eine Brotzeit gekauft. Und weil der Stadtplatz so schön war, haben wir die gleich an Ort und Stelle verzehrt. Ich finde das gerade ziemlich spannend, Brotzeit in Lisdoonvarna, von dem schon der Barde Christy Moore erzählt hat.



Die Häuser sind bunt und es gibt eine alte Tankstellenwerkstatt im Artdeco-Stil.



Auf dem Dorfplatz sind Statuen aufgestellt, die der irischen Musikkultur gewidmet sind.



Nur ein paar Kilometer hinter Lisdoonvarna tauchte dann in einem Feld eine Ruine auf. Keine Kirche oder Kloster, sondern ein mehrstöckiges, sehr altes Haus. Das war sehr eindrucksvoll. Da war auch ein verschlossenes Tor, über das man klettern konnte. Das Gebäude, das sich Leamaneh Castle nennt, stammt aus dem Jahr 1490, hatte ursprünglich fünf Stockwerke und wurde im 18. Jahrhundert verlassen und verfiel. Phantastische Geschichten ranken sich um dieses Haus. Eine frühere Hausherrin, Maire Rua, brachte es auf 25 Ehemänner, von denen jeder einzelne bestialisch ermordet wurde. Einer wurde aus dem Fester geworfen, ein anderer gehängt, ein weiterer wurde gezwungen, mit seinem Pferd über die nahegelegenen Klippen von Moher zu reiten. Über die Kante, wohlgemerkt. Die rothaarige Dame wurde nach ihrem Tod dazu verdammt, auf ewig ein Geist zu bleiben, ein Platz im Himmel blieb ihr verwehrt. Angeblich wird sie immer wieder in der Nähe von Leamaneh Castle gesehen....



Die Spukgeschichten kannten wir nicht, als wir dort waren, deshalb haben wir uns reingewagt. Innen war das Gebäude entkernt, also sozusagen ohne Inhalt.







Wir hatten Glück, die rothaarige Dame war an diesem Tag nicht da.



Etwas weiter stand eine Kirchenruine auf einem Friedhof mit einem alten Rundhaus.



Die Kirche selbst hatte kein Dach mehr, Gräber wurden dann im Gebäude angelegt.



Auf dem kommenden Streckenabschnitt kamen noch mehr Ruinen.
 
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martin67

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Auf unserem Weg nach Gort, das nicht mehr so weit entfernt war, kamen wir durch kleine Dörfer, wieder. Und immer wieder waren sie malerisch schön. Hier hat man das Gefühl, daß die Zeit etwas bremst ud nicht mehr ganz so schnell vorbei geht. Wir machen auf unseren Reisen übrigens auch immer Urlaub vom Internet, ein wenig offline, miteinander reden, planen, reflektieren, die Entschleunigung tut gut.



Jetzt waren wir im Burren Nationalpark. Die seltsam geformten Kalkfelsen, manch einer vergleicht sie mit einem umgedrehten Suppenteller oder respektlos mit einem Haufen K... sind typisch für diese Gegend.







Ebenfalls typisch und vielleicht noch etwas dramatischer, ist die Karstlandschaft dieser Gegend. Fast wie Kroatien, nur flach, und die Macchia fehlt.



Ein paar Kilometer weiter trafen wir auf spektakuläre Ruinen. Das Kilmacduagh-Kloster hat seine Wurzeln im 7. Jahrhundert, die erhaltenen Gemäuer stammen aus dem 11. bis 14. Jahrhundert. Der irische Runddurm ist vollständig erhalten und der höchste Irlands. Der Eingang bei diesen Türmen liegt ungefähr auf drei Metern Höhe. Reingeklettert wurde mit einer Holzleiter, die dann bei Gefahr eingezogen wurde. Übrigens gab es insgesamt etwas 120 solcher Türme, in Irland stehen noch 65, außerhalb der grünen Insel gerade einmal drei Stück.





Der Turm ist übrigens leicht schief, die Spitze weicht 60cm von der Senkrechten ab.



Trotz der Größe der Anlage ist der Besuch hier übrigens kostenlos und es waren erstaunlich wenig Besucher da.



Zum Schluss eine kleine Spielerei mit dem Bildbearbeitungsprogramm, sieht gut aus, oder?



In Gort waren wir im Lady Gregory Hotel untergebracht, einem großen, altmodischen Hotel im englischen Stil. Es gab dort sogar ein Hallenbad mit Badekappenpflicht (Der moderne Mensch hat doch sowas nicht mehr, oder?).

Damit sind wir am nordwestlichen Ende der Reise angekommen. Am kommenden Tag sind wir nach Dublin gefahren. Das war nicht wirklich spannend, einfach auf den Motorway und dann rollen lassen, der Mietwagen musste zurück zum Verleih, um 15 Uhr war der Rückgabetermin und vorher wollten wir noch ein paar unserer Spuren beseitigen und volltanken.

Wir hatten jetzt noch drei Nächte, für die wir uns im Travelodge in der kleinen Stadt Swords eingenistet haben. Das ist praktisch, das Hotel liegt direkt in der Nähe des Flughafens und hat einen eigenen Shuttlebus. Swords mit seinen Restaurants und Geschäften ist zu Fuß erreichbar. Für den kommenden Tag hatten wir schon Bahntickets in der Tasche, wir durften noch nach Belfast ins Titanic-Museum.
 
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martin67

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Wir sind früh aufgestanden und mit dem Bus nach Dublin reingefahren, Conolly Station war unser Ziel. Vor dort fährt ein Zug namens "Enterprise" mehrmals täglich ins nordirische Belfast. Der Zug wird vor Irish Railways (Iarnród Éireann) und Northern Ireland Railways (NIR) gemeinsam betrieben. Schnell noch einen Kaffee am Bahnhof gekauft, eine Arabische Familie kennengelernt, dann ging es auch schon zum Zug.



Meine Frau hatte etwas Bedenken, zwei Tage vorher gab es in ein paar nördlichen Vororten von Belfast Unruhen. Nicht wirklich schlimm, aber so schlimm, daß ausführlich im Fernsehen darüber berichtet wurde. Zudem hatte just eine Woche zuvor die traditionsreiche Werft Harland & Wolff Insolvenz angemeldet. Auch das betraf uns weiter nicht, außer daß auf deren Gelände das Titanic Museum steht. Harland & Wolff hat die Titanic und andere bekannte Schiffe gebaut.

Kommen wir mal noch schnell auf die politische Situation zu sprechen. Brexit ist in Irland und Nordirland ein großes Thema. Die Republik Irland ist wirtschaftlich sehr eng an Großbritannien angegliedert und wird wahrscheinlich mehr unter dem Brexit leiden, als die anderen Läder der EU. Nordirland braucht eine offene Grenze, um ein Aufflammen des Bürgerkriegs zu verhindern. Die offene Grenze ist der einzig mögliche Kompromiss, mit dem sowohl die republikanischen Katholiken, die eine Wiedervereinigung anstreben, als auch die protestantischen Briten leben können. Schon bei der Fahrt durch die Vororte, mit tristen Wohnsilos, auf denen politische Parolen aufgemalt waren, wurde einem der fragile Frieden bewußt.

In der Stadt waren gepanzerte Polizeifahrzeuge überall präsent, auch ein Zeichen, daß in Belfast jederzeit mit Aktionen gerechnet wird. Die Rücksichtslosigkeit und Kurzsichtigkeit, mit der die aktuelle britische Regierung das Thema Brexit angeht, läßt für Nordirland nicht viel Gutes erwarten.



Das Titanic Museum ist ein futuristischer Bau, der jeweils in die vier Himmelsrichtungen den Bug des unglücklichen Schiffes darstellt. Übrigens empfiehlt sich eine Online-Buchung im Voraus, das erspart lange Wartezeiten.



Das Museum selbst stellt Belfast vor, wie es Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts ausgesehen hat. Man erfährt viel über den Handel mit Tuch, Bier und Whisky, über den aufstrebenden Schiffsbau, der mit der Titanic und ihren Schwesterschiffen Britannic und Olympic einen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat, über den enormen Bedarf an Arbeitskräften und der damit einhergehenden Ausbeutung, über die Arbeitsbedingungen auf den Werften und die "White Star Line".



Viel Aufwand wurde betrieben, um das Innere dieser Schiffe, die Passagierbereiche anschaulich zu zeigen. Musterbücher für Teppiche und Bezüge, Kabinendekor, ein Schlafzimmer der ersten Klasse.



Fotos von der ersten Etappe der Jungfernfahrt ins französische Cherbourg. Diese kurze Etappe wurde von vielen Meschen als Kurztrip gebucht, einfach um einmal auf dem damals größten Schiff der Welt gefahren zu sein.



Wie die Reise für die geendet hat, die weiter nach New York fuhren, wissen wir. Auf den Unfall selbst und den Untergang wird recht wenig eingegangen. Dafür nimmt die nachträgliche Aufarbeitung der Katastrophe viel Platz im Museum ein.



Eines der Rettungsboote, von denen es viel zu wenige gab, damals im April 1912.



Direkt vor dem Museum befindet sich der Platz, auf dem sich zu jener Zeit das Trockendock befand, in dem die Titanic und ihre Schwester Olympic gebaut wurden. Die Umrisse der Schiffe sind auf dem Boden markiert.



In einem weiteren, noch erhaltenen Dock liegt die Nomadic, ein "schwimmender Wartesaal" der White Star Line, der die Passagiere der ersten Klasse vom Hafen Cherbourg zu den weiter draußen ankernden Linienschiffen bringen durfte. Nach seiner Ausmusterung diente das Schiff viele Jahre als schwimmendes Restaurant am Ufer der Seine in Paris. Sie wurde zurückgekauft und bei H & W wieder in Ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt. Die optische Nähe zur Titanic ist unverkennbar.



Das Museum ist auf jeden Fall einen Besuch wert, man sollte auch fast einen Tag dafür einplanen. Belfast selbst hat mich nachdenklich gemacht. Trotz der gemeinsamen Geschichte Irlands hat man das Gefühl, in ein völlig anderes Land zu reisen. Natürlich wird dort irische Tradition gelebt, mit Pubs, Musik und Guinness. Die Lebensfreude, die Farben und die lauten und ausgelassenen Menschen, die man in Dublin überall trifft, muß man in Belfast suchen. Ich möchte trotzdem nochmal hin, um mehr über die Geschichte dieser Stadt, speziell in den 70er und 80er Jahren zu erfahren.

Am Abend waren wir wieder in Swords im Hotel. Wir hatten noch einen Tag, den wir in Dublin verbringen wollten.
 

martin67

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Ich mag Dublin gerne. Dublin ist weltoffen, freundlich und schön. Natürlich hatten wir uns wieder viel vorgenommen, zu viel. Aber das macht nichts, wir werden eh wiederkommen. Unser erster Punkt auf der Liste war das Trinity College. Dort gibt es eine Bibliothek, die sehr alt ist, und öffentlich zugänglich, wenn man bereit ist, den Eintrittspreis zu zahlen. Bevor man in die heiligen Hallen der Bibliothek kommt, gibt es noch eine Ausstellung über das "Book of Kerry" ein in lateinischer Sprache verfasstes Werk aus der Frühzeit des Christentums in Irland.

Dann kam der lange Raum. Er heißt wirklich so, "Long Room". Darin sind abertausende uralte Bücher untergebracht, in Leder gebunden. Das Ganze sieht ähnlich aus, wie die Bibliothek in Hogwarts Castle, dementsprechend viele Potterfreunde findet man dort. Es hat wirklich etwas magisches, gerne hätte ich mich irgendwo in ein Eck verkrochen und in alten Schinken geschmökert.



Ich mag auch den Geruch alter Bücher. Der ganze, lange Raum ist voll davon. In das obere Geschoß kommt man auf eisernen Wendeltreppen, das ist aber nur Studenten vorbehalten, die im Trinity College studieren. Und die dürfen dann auch das, was ich gerne getan hätte, sich in ein Eck verkriechen und in alten Schinken schmökern.



Ebenfall im Long Room der Bibliothek steht eine alte Harfe. Der Legende nach gehörte sie dem Herrscher Brian Boru, der im Jahr 1014 im Kampf gegen die Wikinger fiel. Wie so viele Legenden ist das vermutlich nicht ganz richtig, Experten datieren die Entstehung der Harfe auf das 14. oder frühe 15. Jahrhundert. Trotzdem ist diese Harfe ein Symbol Irlands und eine der drei ältesten erhaltenen Gaelischen Harfen der Welt. Sie ziert Euromünzen (früher auch den Irischen Pfund), das Logo der Guinness-Brauerei, die ja selbst ein Symbol Irlands ist, und ist auch Teil des Markenauftritts von Ryanair.



Auf dem Weg zurück ins Jetzt erhob sich eine Möwe vom Dach, davon habe ich ein Foto gemacht.



Grafton Street war unser Ziel. Die ist nicht besonders lang und eigentlich eine Fußgängerzone. Dort gibt es viel Live-Musik, Akrobaten, Feuerschlucker und andere Künstler, die darauf hoffen, entdeckt zu werden, oder Follower für soziale Netwerke zu gewinnen, was sie auch auf gewisse Art und Weise groß herauskommen läßt.



Oft stecken auch Eltern hinter den werdenden Künstlern, die die Auftritte mehr schlecht als recht koordinieren, mit einem Hut herumgehen und Geld einsammeln. Immer in der Hoffnung, daß der Nachwuchs eines Tages auf den Bühnen der Welt stehen wird.



Der Abschluß des Tages fand für uns im Temple District statt, mit all seinen Bars, Pubs und Restaurants. Wir hatten ein letztes Mal Pub Food, Fish and Chips, Irish Stew und Crispy Chicken, dazu ein tiefschwarzes Getränk.







Temple Bar, das ist sowas wie das Hofbräuhaus Dublins.



Wir sind dann zurück nach Swords in Hotel, haben gepackt und dann noch kurz geschlafen. Der Wecker hat uns schon um drei Uhr morgens aus dem Bett geholt. Eine Stunde später ging es mit dem Shuttle zu Flughafen und dann mit dem Frühflug von Ryanair wieder zurück in die Bayrische Landeshauptstadt.

Damit endet dieser Reisebericht in ein Land, das uns enorm viel Spaß gemacht hat und das noch so viel zu bieten hat, was wir noch nicht gesehen haben.

Martin
 
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