Au weia! :eyeb:
Wie peinlich ist das denn? Braucht ihr wirklich schon solche armseligen Geschichten, um eure Sache zu "belegen"?!?


Na dann erzähle ich auch mal eine kleine Geschichte:
Ich stand neulich längere Zeit am westlichen Flughafenzaun, direkt in der Verlängerung der Startbahnen. Dort standen wie immer Schaulustige von nah und fern und haben die startenden Flugzeuge beobachtet. Es gab natürlich auch Diskussionen, bei denen ich einfach mal still zugehört habe. Interessant, wieviel Verständnis doch viele davon für die vielen betroffenen Anwohner der Einflugschneise zeigten. Denn neben ihrer Begeisterung für das Schauspiel meinten die Leute auch, dass sie doch sehr froh seien, diesen wahnsinnigen Lärm nicht selbst tagtäglich ausgesetzt zu sein. Dies entkräftet immer mehr die Grundeinstellung der Befürworter. Merkwürdigerweise waren auch hier alle Altersklassen vertreten, was die Sache vermutlich sehr repräsentativ macht. :whistle:
Wer in diesen kleinen Geschichten Ironie, Übertreibungen oder konstruierte Erfindungen findet, womöglich sogar mit jeweils genau umgedrehten Vorzeichen, sollte sich mal überlegen, wieso sich sowas dort findet! :dead:
Wenn du wirklich sosehr darunter leidest, dann hast du mein aufrichtiges Mitleid.
Für die grundsätzliche Situation, dass dich der Flughafen belastet, bedauere ich dich auch.
Es ändert aber nichts an meinem Denken, Empfinden und Einschätzen:
Wir, wir alle, die wir uns über was auch immer definieren, das bayerische und das deutsche Volk darstellen, sind mehr, als das Individuum.
Es gibt nicht ohne Grund dir Trennung zwischen BWL, Betriebswirtschaftslehre, den Blick auf den Einzelnen und der Volkswirtschaftslehre, den Blick auf das Ganze werfend.
Im englischem gibt es den "hässlichen" Begriff des "Collateral damage" - welcher in hiesigem Fall leider anzuwenden ist.
Bei Infrastrukturmaßnahmen wird es immer leidtragende geben.
Diese gehören meiner Meinung nach auch entsprechend entschädigt und ihnen soll eine alternative Zukunft geboten werden - auch wenn dadurch das Projekt massiv überteuert wird.
Letztendlich zählt aber im gesellschaftlichen Kontext, unter Wahrung der VWL-Kriterien, der Blick auf das Ganze mehr als die Wahrung des Einzelnen. Dies darf allerdings nicht bedeuten, dass man vor dem Einzelnen den Respekt und die Achtung verliert.
Wir leben in Deutschland in einer fürchterlich saturierten Gesellschaft, die gerne vergisst, dass sich die Welt um uns herum verändert und wandelt.
Aktuell geht es uns gut und wir brauchen uns nicht beklagen. Keine Frage.
Wir selber sind aber nur an diese Stelle, in diese Situation gekommen, weil wir uns selber, weil wir unsere Umgebung, unsere Rahmenbedingungen immer wieder den Anforderungen angepasst haben.
Nun haben wir gerade eine kurze Phase der Stagnation, der Regression - in Europa, nicht in der Welt. Deshalb erfahren wir keinen dringenden Leidensdruck - verglichen mit den europäischen Partnern und Konkurrenten stehen wir aktuell ganz passabel da, ja.
Aber die Welt dreht sich um uns herum weiter und lässt das siechende Europa gerade neben sich lieben.
Unser Fokus darf und kann nicht auf den "alten" Kontinent allein gerichtet bleiben; Die Entwicklungen, die Trends passieren wie anders - Dynamik ist uns unbekannt geworden, wo gerade zwei Drittel der Welt erst ökonomisch zu leben beginnen.
Ja, es wird immer und überall Opfer von Infrastrukturmaßnahmen geben. Dies ist unbestritten, tragisch.
Aber wir, wir das deutsche Volk, wenn nicht sogar, wir, wir Europäer dürfen nicht aus dem Auge verlieren, wie sich unsere ökonomischen Konkurrenten entwickeln.
Wir sollten vielmehr darauf blicken, wie sie sich gebärden und uns selber die Wahl lassen, wie wir "dem Volk" maßvolle Optionen gewähren.
Veränderungen werden abermals auf uns zukommen - gewollt oder nicht.
Noch kann man daran teilhaben, gestalten und zumindest entsprechende Entschädigungen aushandeln (berechtigte).
Den Status-Quo auf Dauer einfordern, wird auf absehbare Zeit, in übergeordnetem Kontext unseren gesamten Niedergang, Wohlstandsverluste in der Breite, bei allen, bedeuten.
Daher migg, eine ehrliche und offene Frage an deinen Intellekt, an dein Selbstverständnis (nimm es bitte nicht als aggressiven Angriff auf dich persönlich):
Wer bist du, wer seid ihr eigentlich, dass ihr euer persönliches Wohl über die Entwicklung eines Volkes stellt?
Klar - eine Startbahn, ein Flughafen allein machen dies nicht aus. Es ist die Summe der Struktur, die ein Land bereit hält - Straßen, Bahnen, Strom, Wasser, Bildung, ÖPNV, etc.
Wir alle sind erstmal soziale Wesen und direkt danach wirtschaftliche - erst dass ermöglicht uns das Leben überhaupt.
Kannst du dich wirklich aus diesem ganzen Kontext heraus nehmen? Bist du, ist dein Job nicht in irgendeiner Weise vernetzt? Hängt er in keiner Weise von dieser Vernetzung ab?
Leid, Verlust, Belastung, Entfremdung - Sorry, das sind sehr persönliche Tragödien. Schmerzliche, gewichtige, ja.
Diese gehören in meinen Augen auch sehr viel stärker berücksichtigt, als es aktuell der Fall ist.
Hier mögen mir einige Mitglieder dieses Forums massiv widersprechen, aber ich denke durchaus, dass gesellschaftlich für die "Opfer" von Infrastrukturmaßnahmen" mehr gemacht gehört.
Denn so hart ich bisher gesprochen habe:
Wir leben in einer Demokratie, wir haben "gottlob" "unser" Grundgesetzt, welches jedes einzelne menschliche Lebewesen achtet und respektiert.
Daher gehört wirklich jeder einzelne "bedacht" und "gehandelt".
Es ist aber genauso Intention dieses Gesetzes, dass das Allgemeinwohl über dem Einzelnen steht. Und hier haben wir gerade ein Problem in der Wahrnehmung.
Es geht nicht mehr darum, ob es "uns" Bayern, Münchner besser geht als den Stuttgartern oder den Berlinern oder den Hamburgern.
Wir leben inzwischen in einem globalen Wettbewerb, in dem leider sehr selten demokratische, menschliche Regeln gelten und herrschen.
Noch sind wir in der Lage, selber unsere Zukunft zu gestalten, aus einer Position der Stärker heraus. Noch können wir verändern und die Leidtragenden angemessen bedenken. Lange wird dies aber nicht mehr der Fall sein.
Allerdings bedarf es seitens der Leidtragenden auch einer etwas geweiteten Denkweise, die mitunter die Aufgabe der Heimat erfordert.