Dass das nicht "einfach so" geht, ist denke ich den meisten hier klar. Aber die gegebene Situation war auch nicht einfach so. Das war kein Alltag. Vielleicht sollte man da auch irgendwann anfangen, zu hinterfragen, ob die aktuellen Umstände es rechtfertigt, Regularien für den alltäglichen Betrieb außer Kraft zu setzen.
Ich will hier auf gar keinen Fall den Arbeitnehmern, die an dem Tag vor Ort waren, einen Vorwurf machen. Erstens haben die eh schon königlich geackert. Und zweitens macht es leider rein spieltheoretisch für den Einzelnen auch überhaupt keinen Sinn, Prozesse zu beugen oder sich über Richtlinien hinwegzusetzen. Gewinnpotenzial null bei gleichzeitig maximalem Risiko für eine Abmahnung oder noch schlimmeres.
Das zugrunde liegende Problem ist systemisch. Wir haben Prozesse und Verantwortungen so weit zerhackt und auf viele Firmen verteilt, dass es keine übergeordnete Stelle gibt, die überhaupt in der Lage ist, zeitnah zu erkennen, dass da gerade die Kacke im Begriff ist, auf den Ventilator zu treffen, und die dann auch noch die Macht hat, bestehendes Regelwerk zu ignorieren.
Und natürlich ist es nicht die Königslösung, Passagiere über mehrere Parkpositionen (und dann auch noch über den Taxiway) laufen zu lassen.
Aber noch mal: Ich kann mir schwer vorstellen, dass so eine Handhabung unter Zuhilfenahme der Verkehrsleitung, der konzerneigenen Feuerwehr (die darf Amtshilfe auch ganz ohne dringenden Notfall geben), der Konzernsicherheit und unter Umständen der Bundes- oder Landespolizei völlig unmöglich gewesen wäre. Dass das im laufenden Flugbetrieb völlig unmöglich ist, steht außer Frage. Aber da gab es keinen Flugbetrieb mehr, den man hätte aufhalten können.
Sogar, wenn dabei jemand gestürzt wäre und sich den Schenkel gebrochen hätte: Ich tue mich schwer damit, zu glauben, dass das teurer gewesen wäre als das absolute PR-Desaster und die Entschädigungszahlungen, die jetzt auf den Flughafen und Lufthansa zurollen.