Hier sind einige echt schon wieder auf einem sehr interessanten Apologeten-Film unterwegs. Herzbrechend: Eure Arbeitgeber lieben euch nicht annähernd so sehr, wie ihr sie.
Ich habe selbst bis 2019 am Flughafen bei dem Handling Agent mit drei Buchstaben gearbeitet. (Sogar bei beiden mit drei Buchstaben.) Ich habe während dieser Zeit auch mehr als genügend Schneechaos-Szenarien selbst live im Betrieb mitbekommen. Inklusive einer XQ-737, die die Verkehrszentrale irgendwann ans T1A an einen Schengen-Finger gestellt hat, weil alle Remote-Positionen belegt waren.
Und eines steht fest: Bei allem Verständnis für schwierige Wetterlagen und Schneechaos - wenn man mich drei Stunden lang am Boden in einer engen Metallröhre sitzen gelassen hätte, ohne jede Aussicht auf einen Abflug, während in 400 Meter Entfernung das erleuchtete Terminalgebäude steht, wäre ich komplett Crashout gegangen. Das ist - man kann es nicht anders sagen - ein astronomisches Organisationsversagen und eine Frechheit sondergleichen.
Jetzt langts langsam!
Busfahrer wären sicherlich verfügbar gewesen. Zur Not würde halt mehrmals gefahren werden.
Wenn keine Treppe ans Flugzeug gestellt wird weil nicht mehr enteist wird, dann helfen auch keine 100 Busfahrer!
Weil die Leute auch immer das glauben was irgendwelche Zeitungen schreiben!
Ich liebs, wenn Leute so unglaublich confident so monumental danebenhauen. Schaum im Mund, aber keine Substanz.
Treppen standen an den Flugzeugen. Was dort nicht stand, waren Busse. Insofern sind die Medienberichte faktisch zutreffend. Vielleicht nicht immer das glauben, was irgendwelche Skyhiase im Internet schreiben.
Ich find die Debatte aber sowieso mühselig. Weil für mich dreht sich die Frage nicht darum, wer jetzt wo wie zu verantworten hat, dass zu wenig Busfahrer da waren. Sondern eher, ob wir uns noch mit Selbstachtung in die Augen schauen können, wenn 400 Meter flacher Asphalt ein betriebs- und versicherungsregulatorisch unüberwindbares Hindernis darstellen.
Mir kann keiner erzählen, dass es organisatorisch und sicherheitstechnisch ein völlig undarstellbares Szenario gewesen wäre, nach der Erkenntnis, dass kaum mehr Busfahrer da sind, und wegen des Nachtflugverbots der Flugbetrieb am Hafen sowieso eingestellt wurde, die Leute im Gänselauf über den Apron marschieren zu lassen. Wenn man vorher noch mal ein Räumfahrzeug drüber schickt, müssten sie nicht mal durch den Tiefschnee waten.
Wenn man sichergehen will, dass keiner abhanden kommt, begleitet man die Gruppen halt mit einem Verkehrsleiter, einem Bundespolizisten oder einem Feuerwehrmann.
Aber diese Entscheidung will keiner treffen. Niemand will Verantwortung für den unwahrscheinlichen Fall übernehmen, dass etwas schief geht. Dann lieber Dienst nach Vorschrift und es geht völlig absehbar schief - aber dann war es immerhin nicht der persönliche Fehler.
Ich verstehe natürlich immer für den einzelnen diese Cover My Ass Attitüde. Niemand setzt gerne seine Karriere und seine Straffreiheit aufs Spiel. Aber es kann nicht sein, dass wir an 400 Meter flachem Asphalt scheitern, weil Betriebs- und Versicherungsregeln das so sagen. Willkommen in Absurdistan. Habe fertig.