Wieso sollte man einen Fehler nicht bennen dürfen?
Den Fehler darf man gerne benennen, ihn aber nicht dem Flughafen anlasten, als ob dieser schuld daran wäre.
Der Flughafen wurde ja mit Absicht und wohlweislich weit weg neu gebaut. Aber unter dem Gesichtspunkt einer guten Bahnanbindung ist der Standort ein Fehler. Und da die Einfahrtsrichtung für den wesentlichen Bahnverkehr für den Kopfbahnhof in München der Westen ist, war das auch von Anfang an absehbar.
Noch einmal; Es ist nicht Aufgabe des Flughafens, sich möglichst dort hin zu platzieren, wo die Bahn eh schon ist, nur damit die Bahn auf ihren bestehenden - und damit meist auch schon gut ausgelasteten - Strecken mehr Fahrgäste gewinnt, und glücklich wird.
Und auch die Entscheidungen damals und seitdem sprechen für sich: 1992 gab es eine S-Bahn Linie als einzige Schienenanbindung. Der Bahnhof unter dem Flughafen hat 2 Gleise und einen kurzen Bahnsteig, einen Fernbahnhof hat man gar nicht erst gebaut. Die Idee, dass man den Flughafen auch mit der Bahn gut erreichen können sollte hat man einfach nicht ausreichend berücksichtigt und verfolgt, so abseits wie der Flughafen liegt.
Das war und ist aber vor allem den Bahn-Lobbyisten anzulasten, die keine andere Anbindung an das Schienennetz auch nur halbwegs diskutieren wollten. Das zweite Problem war, daß die Kosten für MUC II ja eh schon gehörig aus dem Ruder liefen, weshalb man die Bahn-Anbindung aus den Flughafen-Erschließungskosten heraus nahm, um nicht das ganze Projekt insgesamt als "zu teuer" verwerfen zu müssen.
Leider hat man es auch versäumt, die Gelegenheiten zu nutzen, die sich in den letzten 30 Jahren ergeben hatten, um das zu ändern, im Grunde immer aus dem gleichen Grund: Der Flughafen liegt so ungünstig für jeglichen Schienenverkehr, dass sich einfach für Verkehre, die nach München wollen, nicht wirklich rentiert den Umweg über den Flughafen zu nehmen. Chancen hätte es ja gegeben, um die Anbingung zu verbessern. Da hätte man dann das von dir geforderte, "Die Bahn soll da fahren, wo die Leute hin wollen" ja umsetzen können. Hat man aber gelassen. (Im Übrigen ist das ja genau ein Grund, warum die Bahn gar nicht über den Flughafen fahren will, denn die meisten Fahrgäste wollen zum HBF München und deren Fahrzeiten will man nicht künstlich und unnötig verlängern.)
Ja - auch. Natürlich haben die Bahn-Vertrreter vor allem an sich selbst gedacht, und den Flughafen selbst nicht als Ziel von Bahn-Fernreisenden anerkennen wollen, darum durfte der Flughafen-Bahnhof - wenn überhaupt - nur eine kleine Nebenrolle als Zwischenhalt unterwegs, den man eher zufällig gerade mit nimmt, spielen. Richtung Landshut ist halt nicht viel mit Fernverkehr, also ist es uninteressant. Man darf ja auch nicht vergessen, daß die offizielle Planung für MUC eigentlich immer nur für den "lokalen Bedarf" ausgeschrieben, und in der Planungsphase nie als zweites Drehkreuz neben Frankfurt kommuniziert wurde. Ich frage mich nur ein wenig, warum man zu dieser Zeit noch mit 4 Bahnen für diesen "Lokalflughafen" plante. Und die sollten froh sein, daß sie nicht mehr wie in Riem mit dem Bus fahren mussten, sondern sogar eine S-Bahn bekamen.
Die Weitsicht, einen modernen Drehkreuz-Flughafen auf dem Reißbrett auch mit dem nötigen Zubehör wie eben der entsprechenden Bahn-Anbindung auszustatten hat halt gefehlt. Aber bekanntlich hatte Frankfurt auch viele, viele Jahre keine solche Anbindung, und es ist letzten Endes nur Zufall, daß allein schon durch die zentrale Lage der Stadt Frankfurt in Deutschland es relativ einfach war, neue Bahnstrecken so zu planen, daß diese auch dort vorbei kommen.
Es ist im Grunde mit der Bahn die gleiche Situation und deswegen egal, ob Flughafen oder Bahn. Wenn man schon baut, dann müsste man halt so bauen, dass es Sinn macht und zukunftsfähig ist. Für den Flughafen hätte es Sinn gemacht, ihn zwischen A8 und A9 und die entsprechenden Bahnzuläufe nach München zu bauen, nicht abseits davon. Da wäre der Schlenker über den Flughafen, den man heute mit der Idee einer Neubaustrecke von Ingolstadt nach München möglicherweise zu beheben versucht sehr viel einfacher gewesen.
Wirklich zwischen A8 und A9, sagen wir so um Petershausen herum war nie auch nur ansatzweise in der Diskussion. Ich weiß auch nicht, wie es dort topographisch aussieht. Halbwegs flach sollte so ein Airport halt auch liegen, wenns Recht ist. Sulzemoos wäre mitten in der Spargel-Region gewesen, das wäre nicht gut angekommen. Auch hat es dort einfach mehr Anwohner, als im Moos.
In meinen Augen war der Hauptfehler vor allem, den Flughafenbahnhof nicht von Anfang an mit 4 Gleisen, und 2 Bahnsteigen auszustatten. Meientwegen notfalls zur Einweihung auch erst nur 2 Gleise, und 2 leere Gleiströge, wie in HH-Hbf bei der U-Bahn. Aber eben auf jeden Fall den zweiten Bahnsteig mit bauen.
Oder man hätte wenigstens beim Bau der SFS nach Ingolstadt den Schlenker zum Flughafen gleich bauen sollen und auslegen auf eine Geschwindigkeit, dass man den dadurch entstehenden Zeitverlust wieder einfährt. Oder man hätte den Transrapid bauen können. Oder gleich München21, dass man auch vom Osten zum HBF München einfahren kann.
hm-hm. In meinen Augen sollte eine SFS nicht durch Umwege künstlich ausgebremst werden, das führt den Zweck einer SFS ad absurdum. Auch Leipzig ist auf dem Weg von München nach Berlin ein unnötiger, und zeitraubender Umweg. Bahn-mäßig hätte man eher von Anfang an auf eine von dieser SFS abzweigende, eigene SFS via flughafen Richtung Salzburg, oder auch gleich Linz ansetzen sollen - aber da wäre der Aufschrei in München wieder groß gewesen, ggfs. die Stadt München auf gewissen Fernverkehrs-Relationen auszulassen.
Ich sage ja nicht, dass der falsche Standort des Flughafens der einzige Fehler ist, der gemacht worden ist. Die Entscheidung, München 21 nicht zu bauen halte ich ebenso ebenfalls für einen Riesenfehler, wie auch die Aufgabe des Transrapids. Dadurch hat man leider viele Möglichkeiten vergeben und auch sonst nicht viel gemacht bisher, um diesen Geburtsfehler des Flughafens zu beheben. Nicht einmal die versprochene Express-S-Bahn gibt es heute.
Ich halte den Standort des Flughafen nach wie vor für gut - nur fehlt eben die ausreichende Bahn-Anbindung. Nach Westen hin, Richtung Augsburg ist mir das alles schon viel zu dicht besiedelt, um dort halbwegs störungsfrei einen Flughafen vom Kaliber MUC hinzubauen. Und Süden/Hofolding hatten wir ja schon, daß dort ungünstig ist.
München 21 war in meinen Augen ziemlich unausgegoren, und wurde ja schon sehr frühzeitig nach ganz, ganz weit hinten verschoben - ist aber offiziell bis heute nicht völlig aufgegeben . Es werden sogar zwei Korridore unter der Innenstadt freigehalten, um die Möglichkeit für einen solchen West-Ost-Tunnel für den Regional- und Fernverkehr im Jahr unserer Urururenkel offen zu halten. Die Idee hat natürlich etwas, bringt aber eben auch Nach- und nicht nur Vorteile. Vor allem den Zwischenhalt an Sendlinger Tor halte ich für überflüssig - das hat keinen verkehrlichen, sondern nur einen politischen Nutzen. Die Feinanbindung im Zentrum sollte man weiter der U-Bahn überlassen. Gleiches gilt übrigens für den Regionalbahnhof Berlin-Potsdamer Platz, dessen einzige Exiszenzberechtigung in der immer noch fehlenden S-Bahn Linie 21 besteht.
Bleibt der TR. Ich war anfangs kein großer Freund davon - der TR war immer als Fernverkehrszug konzipiert, und nicht als XXL-Zubringer oder Peoplemover. Und gerade Shanghai zeigt in meinen Augen, daß der TR auch nur bedingt als solcher geeignet ist. Für die Chinesen ist es vor allem ein teures Spielzeug zum ausprbieren gewesen. Man baute bewusst nur eine kurze "Erprobngsstrecke unter Realbedingunen", inzwischen hat es eine U-Bahn sowie eine "klassische" HGV-Strecke aber die Aufgaben des TR praktisch vollständig übernommen. Ich erwarte ehrlich gesagt, daß der Maglev Shanghai über kurz oder lang wieder eingestellt wird.
In München war der TR allein schon durch die (ursprüngliche) Wahl der Stationslagen von A bis Z als Showcase und reiner Zubringer angesehen, Streckenverlängerugnen praktisch von vorn herein ausgeschlossen. Das wird der Technologie als solcher einfach nicht gerecht. Aber: Wenn man sich das ganze Herumgemurkse, was danach kam, ansieht, wäre der TR letzten Endes doch keine so schlechte Wahl gewesen.
Mein Traum wäre dabei, mit dem TR dann auch einen "echten FLug auf Höhe Null" zu realisieren: Mit Ankunft/Abfahrt im Sicherheitsbereich, Bordkarte, Check-In, Gepäckscan und - Tranport etc, pp. ZMU als vollwertige Airline-Destination also. Dazu müsste natürlich auch ZMU dann die entsprechenden Einrichtugen aufweisen. Aber was solls, Fuzzy-Träume eben.