Hmm, sehe ich bei Brandschutz und Tunnelsicherheit etwas anders. Auch in anderen Ländern wie Österreich werden Tunnel ständig nachgerüstet mit Technik. Man hat ja erst im Januar gesehen, was Schlamperei beim Brandschutz verursachen kann. Man wird schon eine Lösung finden.
Ich weiß nicht, da leben ehrlich zwei Löwen in meiner Brust:
Weil einerseits finde ich dieses stammtischhafte Gegrantel schon auch zu platt. Ich kann diesen ewigen Abgesang nicht mehr hören. Leute entdecken, dass es Bürokratie gibt, und gehen dann komplett Crashout darüber. Bisschen peinlich.
Andererseits sehe ich hier schon auch am ganz konkreten Beispiel, warum diese Bürokratie hochgradig lächerlich wirkt. Brandschutz ist richtig und wichtig und auch ich plädiere nicht dafür, am besten schon gestern alle Sicherheitsvorschriften über Bord zu werfen. Gleichzeitig ist Sicherheit kein dichotomer Zustand, und hundertprozentige Sicherheit ist nie erreichbar.
Und ich kann da zumindest für mich sagen, dass mein subjektives Sicherheitsempfinden nicht beeinträchtigt wäre, wenn jetzt der Tunnel mit Standards von 2002 in Betrieb wäre. Dumm gesagt: Wenn man ihn damals in Betrieb genommen hätte, würden Züge heute nach den damaligen Standards da durch fahren und kein Hahn würde danach krähen.
Dass nun mal die juristischen Rahmenbedingungen so sind, wie sie sind, verstehe ich. Es ist mir auch lieber, man setzt sie konsequent um, anstatt mal fünf gerade sein zu lassen. Weil das ist ein sehr schlüpfriger Abhang, der schnell zu handfester Korruption führt. Aber hier im konkreten Fall kann ich schon auch nachvollziehen, warum das ein wenig schildbürgermäßig erscheint.
Aber was rede ich, der Flughafen München ist ja mit 30-jähriger Planungs- und Bauzeit selbst das fürchterlichste Beispiel für eine dann am Ende auch noch völlig verkorkste Standortenscheidung, deren Nachteile 35 Jahre nach der Eröffnung immer noch nicht beseitigt sind.
Die "völlig verkorkste Standortentscheidung" mit den "Nachteilen, die 35 Jahre nach der Eröffnung noch immer nicht beseitigt sind" sorgt übrigens dafür, dass wir heute einen Lufthansa-Hub in München haben.
Die Entscheidung für MUC ist gefallen, weil man hier das Terminal 2 komplett nach eigenen Wünschen designed auf die grüne Wiese stellen konnte. Bei stadtnäheren Optionen wären die Ausbaumöglichkeiten wesentlich beschränkter gewesen, und in Hamburg würde man sich jetzt vielleicht über den Interkontinentalhub Kaltenkirchen freuen.
Der wahre Kardinalfehler war, die Schnellfahrstrecke Nürnberg-Ingolstadt-München nicht über den Flughafen zu routen. Da hat man echt eine einmalige Chance verpasst.