Flughafen München setzt auf Frachtverkehr

Geplant. Tatsächlich meist nur 2/7. Viele Flüge fallen aus, da der Flugplan viel zu eng gestrickt wurde und durch diverse AOGs komplett durcheinander geworfen wird. Der letzte Flug war übrigens am 29.9., danach wurden alle Flüge umgeroutet und der Stopp in MUC gestrichen.
...ich habe die letzten Tage wieder einen Jumbo auf Flightradar24 gesehen!?
 
Ein wichtiger Grund warum das Frachtaufkommen verglichen mit Frankfurt so niedrig ist, wurde im Artikel schon genannt: Das Fehlen einer örtlichen Cargo-Airline. Die anderen großen Frachtairports in Deutschland haben eine, in Köln sind es UPS und FedEx, in Leipzig DHL und AeroLogic. Diese Flughäfen haben zwar kein Nachtflugverbot, Frankfurt allerdings schon, wobei das Frachtaufkommen mit dem Einsetzen des Verbots um gerade mal 5% zurück gegangen ist. Dieser Flughafen profitiert nach wie vor extrem von der Lufthansa. Meiner Meinung nach ist es auch der Frachtbereich, über den Spohr am meisten Druck aufbauen könnte. Frankfurts Vormachtstellung ist im Passagierbereich durch die Öffnung für Billigflieger die nächsten Jahre nicht gefährdet. Im Bereich Cargo gibt es aber mit LEJ einen, anfangs zwar illegal subventionierten, aber inzwischen stark wachsenden Konkurrenten. Das würde meiner Meinung nach schon ziemlich am Selbstbewusstsein der Verantwortlichen nagen, nach Jahrzehnten als Nummer 1 abgelöst zu werden und da könnte Spohr ansetzen. Im Gegensatz dazu hatte die Verlagerung der A380 kaum Auswirkungen auf die Verkehrszahlen.

Eine Aufhebung des Nachtflugverbots wäre zwar wünschenswert, aber auch nur Wunschdenken. Auch wenn ich jede Wette eingehe, dass von beispielhaften zehn Frachtern in der Kernzeit, die man auch noch auf die einzelnen Bahnen verteilen könnte, 99% der Bevölkerung überhaupt nichts mitbekommen würden, wird Politik in Deutschland eher für die übrigen 1% gemacht. Außerdem sieht man mal wieder an FRA, dass es nicht unbedingt eine Nachtflugerlaubnis braucht, um viele Cargo-Maschinen am Platz zu haben.

Ich erinnere mich noch an Bilder, auf denen am Frachterminal 3 B747F gleichzeitig gestanden haben, u.a. Cathay Pacific und Atlas. Leider bedienen diese Gesellschaften MUC nicht mehr. Yangtze River Express auch nicht mehr. Polet wollte mal sein Europa-Drehkreuz in München aufmachen. Diese sind zwar inzwschen pleite, aber von diesem Drehkreuz hat man auch nicht lange etwas gesehen. Man könnte dabei ansetzen, warum es mit diesen Airlines nicht geklappt hat.

Ein weiterer wichtiger Grund für fehlenden Frachtverkehr könnte sein, dass zu bestimmten Zeiten einfach keine Parkpositionen mehr zur Verfügung stehen. Sehr oft ist das Frachtvorfeld und die Vorfelder vor den Wartungshallen voll mit einem oder zwei Postfliegern und einem Haufen Langstreckenfliegern. Mit dem T1-Umbau werden weitere Positionen wegfallen. Dann wird es spannend zu beobachten, wo all die Flugzeuge abgestellt werden. Meiner Meinung nach sollte die Vorfelderweiterung absolute Priorität haben. Denn die 3. Bahn nützt nichts, wenn man die Flieger nur stapeln kann. Die von der LH verkündete Ausweitung der Bodenzeiten hilft da sicher auch nicht weiter. Es kann ja auch keine Lösung sein, Flugzeuge dauerhaft auf den Rollwegen abzustellen.
 
Das "Problem" mit der Fracht ist halt, dass die Empfänger Ihre Ware vom anderen Ende der Welt möglichst schnell erhalten. Dabei sind Drehkreuze, wie Leipzig es vormacht, entscheidend. Vor 3 Uhr in der Nacht kommt alles, wird umverteilt, und dann weiter verschickt, sodass es möglichst 1-2 Tage nach Bestellung am Zielort ist. In München ein solches Drehkreuz aufzubauen, wäre quasi unmöglich, und sowieso unwirtschaftlich. Das lässt man lieber, wo es ist. Außerdem besitzt MUC mit den Pax Fliegern genug freien Fracht Raum, wenn doch mal was direkt ex MUC fliegen soll.
Der einzig sinnvolle Einsatz von reinen Cargo Maschinen ex MUC liegt für mich also im Zuliefern von Drehkreuzen (DHL 757) und/oder in dem shippen von "Spezialfracht", wie manchmal eben Autos, die aber eben nicht sehr regelmäßig läuft. Für Päckchen, Briefe, Maschinenteile, Lebende Fracht, und was man sonst alles so in einen Upper Cargo Hold reinbekommt, gibt es eben schon etablierte Drehkreuze, die sehr gut funktionieren und eigentlich quasi "außer Konkurrenz" spielen.
LEJ wird weiter wachsen. Angesprochene, ansässige Airlines, bekommen am laufenden Band neue Flieger in die Flotte. MUC hingegen hat meiner Meinung nach in der Fracht Sparte nunmal den kürzeren gezogen, und sollte sich deshalb lieber vermehrt auf den PAX Verkehr fokussieren.

Als weiteren Ausblick: Selbst fliegende Flugzeuge sind nichtmehr so weit weg. Die erste Sparte, die das treffen wird ist offensichtlich der Frachtverkehr. Aus rein technischer Sicht wäre ein 100% automatisierter Flugbetrieb bereits heute möglich. Damit kann sich auch nochmal sehr viel ändern, und das haben die langfristigen Planer sicher auch am MUC im Kopf, und befassen sich daher lieber mit Drohenenlandeplätzen etc. Man möchte ja nicht auf ein sinkendes Schiff setzen.
 
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